{"id":515,"date":"2008-03-10T19:41:38","date_gmt":"2008-03-10T18:41:38","guid":{"rendered":"http:\/\/diegosch.wordpress.com\/?p=27"},"modified":"2013-04-23T14:44:02","modified_gmt":"2013-04-23T12:44:02","slug":"wien-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/wien-ist-tot\/","title":{"rendered":"Wien ist tot"},"content":{"rendered":"<p>Deutsche Journalisten und Autoren neigen dazu, sich vermeindlicher Klischees zu bedienen und in Vorurteilen zu baden, wenn sie etwas \u00fcber Wien schreiben. Morbid und melancholisch seien die Menschen, der Tod umwabere die ganze Stadt und so wirklich gute Laune habe da auch niemand. Das kann man jetzt glauben oder nicht. Besser ist es, selbst in die \u00f6sterreichische Hauptstadt zu fahren und sich das mal anzuschauen.<\/p>\n<p>Kurz: Ich sehe alle meinen angelesenen Vorurteile best\u00e4tigt. \u00dcberall in Wien begegnet man symbolisierer Traurigkeit. Auf zynische Art und Weise weist jede Ecke irgendwie darauf hin, dass alles ja so verg\u00e4nglich ist und man solle ich blo\u00df keine Hoffnung auf Besserung machen.Das f\u00e4ngt schon in der U-Bahn an. L\u00e4uft man durch die G\u00e4nge (einer Haltestelle, von der ich den Namen vergessen habe) vorbei an Junkies, die sich gegenseitig lautstark als Arschloch bezeichnen, kommt man auch an einer Art Spiegelkabinett der miesen Laune vorbei. Auf jedem dieser Spiegel l\u00e4sst sich ein digitaler Countdown ablesen zu allen erdenklichen Misepeter-Themen: <em>&#8222;Zeitraum bis zur Wiederbewohnbarkeit Tschernobyls: 140597&#8220;<\/em> und <em>&#8222;Kinder die t\u00e4glich an Aids sterben: 1576 (genaue Zahl ist mir entfallen)&#8220;<\/em> stehen gleich neben <em>&#8222;Verzehrte Schnitzel in Wien seit 1. J\u00e4nner: 3849613&#8220;<\/em> (Zahl steigt sek\u00fcndlich) und <em>&#8222;Verliebte in Wien heute: 296419&#8220;<\/em> (Zahl f\u00e4llt sek\u00fcndlich). Das ist so traurig.<\/p>\n<p>Und es wird noch schlimmer. In der U-Bahn selbst h\u00e4ngen Stadtzeitschriften mit Ausgehtipps. Die auff\u00e4lligste Annonce ist die einer Ausstellung, in der es um den Tod geht, illustriert mit ein paar leichenblassen F\u00fc\u00dfen mit Totenzettel am linken Zeh.Junge Menschen auf dem Sitz gegen\u00fcber fallen am sp\u00e4ten Nachmittag einfach so in ihre Taschen und r\u00fchren sich nicht mehr. K\u00f6nnte tot sein&#8230; eventuell. W\u00fcrde keinen wundern. Schlie\u00dflich ist man ja in Wien.Laut meinem <span style=\"text-decoration: line-through;\">mal mehr aber dann doch eher weniger<\/span> kompetenten Reisef\u00fchrer ist Wien die Wiege des Jugendstils und hat selbstverst\u00e4ndlich ein von Hundertwasser gestaltetes Geb\u00e4ude. Wie auch Darmstadt. Hier gibt es ja die wunderbare <a href=\"http:\/\/www.darmstadt.de\/imperia\/md\/images\/darmstadt-web\/umwelt\/waldspirale.jpg\" target=\"blank\">Waldspirale<\/a> am R\u00f6hnring. Sch\u00f6n bunt, \u00fcberall Gute-Laune-Pflanzen, Restaurant im Erdgeschoss.In Wien hat Hundertwasser die <a href=\"http:\/\/www.archivverlag.at\/inhalte\/reprint-reihen\/hundertwasser\/fernwaerme1.jpg\" target=\"blank\">M\u00fcllverbrennungsanlage<\/a> versch\u00f6nert &#8211; mit Kringeln und goldenen Kugeln. Ich glaube man muss hier nicht extra auf die Symboltr\u00e4chtigkeit hinweisen.<\/p>\n<p>Aber man darf der Stadt nicht Unrecht tun. Gibt auch sch\u00f6ne Fleckchen. Wie die &#8222;Opera-Toilet&#8220; in der U-Bahn. Unterhalb der Staatsoper kann man sich zu Walzer und umgeben von einer authentischen Opernball-Fototapete erleichtern. Pinkeln in 3\/4-Takt. Wenn das mal keine gute Laune macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche Journalisten und Autoren neigen dazu, sich vermeindlicher Klischees zu bedienen und in Vorurteilen zu baden, wenn sie etwas \u00fcber Wien schreiben. 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