{"id":5015,"date":"2013-05-30T11:23:30","date_gmt":"2013-05-29T23:23:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=5015"},"modified":"2014-08-05T03:48:46","modified_gmt":"2014-08-04T15:48:46","slug":"chisinau-ein-klischee-in-bunt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/chisinau-ein-klischee-in-bunt\/","title":{"rendered":"Chi\u0219in\u0103u, ein Klischee in bunt"},"content":{"rendered":"<h3>Chi\u0219in\u0103u: km 3000<\/h3>\n<p>Ich wei\u00df nichts \u00fcber Moldawien. Ich war nur drei Tage dort. Ich kann euch noch nicht einmal Bilder zeigen, da meine Kamera am letzten Abend \u201eabhanden\u201c gekommen ist. Aber irgendwas muss ich ja erz\u00e4hlen. Ich will also versuchen, einen Eindruck dieses kleinen Lands am \u00f6stlichen Rand Europas mit Worten zu zeichnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Um in die Hauptstadt Chi\u0219in\u0103u zu gelangen, ruckelt man etwa zw\u00f6lf Stunden in einem sowjetischen Schlafwagen durch die Region Moldau. Schwere T\u00fcren, verrammelte Fenster, Vorh\u00e4nge aus gekrepptem Polyester, golden bestickt mit kyrillischen Logos, stiernackige Schaffner mit ausgebeulten Trainingshosen schlurfen nachts durch den Gang. Und die Heizung steht auf f\u00fcnf. Es sind nur etwa 450 Kilometer bis zum Ziel. Warum das dennoch so lange dauert? Nun, der Zug f\u00e4hrt etwa drei Stunden lang r\u00fcckw\u00e4rts. Seltsam, auf einer Lederpritsche zu liegen und durchs Fenster zu beobachten, dass alles, was man die letzten 180 Minuten gesehen hat, noch einmal an einem vor\u00fcberzieht \u2013 nur eben andersherum. Ich hab&#8217;s nicht verstanden und wollte das auch nicht hinterfragen. Die Schaffner sahen nicht so aus als wollten sie mit mir \u00fcber Moldawische Fernzugfahrpl\u00e4ne sprechen. Resignation ist ein sanftes Ruhekissen. Ich habe vorz\u00fcglich geschlafen.<\/p>\n<h3>Chi\u0219in\u0103u riecht nach Kunstleder<\/h3>\n<p>W\u00e4re Chi\u0219in\u0103u eine Frau, dann w\u00e4re sie eine, die regelm\u00e4\u00dfig ins Sonnenstudio geht und mal bei Schlecker gearbeitet hat. Geil auf eine billige Art, biestig, wenn man sie reizt, und sie riecht nach Kunstleder. Das klingt fieser als es ist. Chi\u0219in\u0103u ist richtig lustig und eine positive \u00dcberraschung, wenn man der Stadt ohne Vorstellungen und Anspr\u00fcche begegnet. Sowjet-Architektur? Klar. Plattenbausiedlungen am Stadtrand? Sowieso. Und ein hitziger Markt im Stadtkern voller quietschbunter Produkte made in China, Taiwan und Bangladesch als <i>die<\/i> Wirtschaftspumpe des kleinen Landes. Selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite. Es gibt aber eben auch kleine, feine Bars, die eine Idee davon geben, was Chi\u015fin\u0103u sein k\u00f6nnte, wenn es nicht das Armenhaus Europas w\u00e4re. Eben nicht das Land, in dem M\u00fctter ihre Kinder in Heime geben m\u00fcssen, um im Ausland unwesentlich mehr Geld zu verdienen als zu Hause. Die Bar\u00a0<a title=\"Theatru Spalatorie\" href=\"http:\/\/www.spalatorie.md\" target=\"_blank\">Spalatorie<\/a> (zu deutsch: Waschsalon) in der Eminescu 72 er\u00f6ffnet einen Blick auf das coole Moldawien. Wir sind durch Zufall hineingestolpert und sehen den Berliner Standard: W\u00e4nde aus Sichtbeton, ein Bretterverschlag als Bar, Bier mit Schnappverschluss, Flohmarkt-Ramsch als Sitzgelegenheiten, Hipster. Und eine<a title=\"Benjy Fox-Rosen\" href=\"http:\/\/www.benjyfoxrosen.com\/\" target=\"_blank\"> jiddische Band aus New York<\/a>, die mit Akkordeon, Kontrabass und Trompete so viel Ghetto-Melancholie verstr\u00f6mt, dass ich mich trotz j\u00fcdischer Wurzeln ein bisschen sch\u00e4me. Einfach aus Prinzip. Aber die Stimmung ist super!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/dla-eOKxgIk\" height=\"295\" width=\"400\" allowfullscreen=\"\" frameborder=\"0\"><\/iframe> (Leider gibt es kein Video vom Konzert in Chi\u015fin\u0103u, aber das tut&#8217;s auch.)<\/p>\n<p>Ich habe in Moldawien liebe, gastfreundliche Menschen getroffen, das beste Rindfleisch au\u00dferhalb Argentiniens gegessen und wahrscheinlich h\u00e4tte auch ein Berliner Kellner meine Kamera eingesteckt, wenn ich sie einfach auf seinem Tisch h\u00e4tte liegen lassen.<\/p>\n<p>Chi\u015fin\u0103u ist eine Stadt wie der Rest der Welt: Ein bisschen billig, ein bisschen garstig, aber man kann ihr nicht lange b\u00f6se sein. Daf\u00fcr ist sie einfach zu unterhaltsam.<\/p>\n<p><small>Bild: <a title=\"Copyright\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/dittaeva\/182384638\/in\/photolist-h7LAJ-hFvFt-hFEmD-hFRjw-hFRRP-hFRYa-hFSdY-478xPe-4T5vgz-4T5vhv-4T5vQR-4T5vS6-4T9Hwd-4T9J8U-4T9J9Y-4T9Jow-5xHKTA-6yN9cP-6RxdEb-6TxANR-6TZc5e-6U4neo-6XVxTc-7aSCEn-7aWpry-7aWpBN-7aWrt9-7aWsmC-7m65JM-7m661V-7m66hZ-7m67nR-7m67rH-7m9Zkh-7m9ZMb-7mMXgT-7pBHXe-7pBHZD-7pBJ3x-7pFBrd-copFyo-copGDC-copExU-copHLm-8KxyJF-8KAqAs-8KAyzE-8KAuJy-8tBCGM-dat4SM-datep9\/lightbox\/\" target=\"_blank\">Guttorm Flatab\u00f8<\/a> auf Flickr<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wei\u00df nichts \u00fcber Moldawien. Ich war nur drei Tage dort. Ich kann euch noch nicht einmal Bilder zeigen, da meine Kamera am letzten Abend \u201eabhanden\u201c gekommen ist. Aber irgendwas muss ich ja erz\u00e4hlen. 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