{"id":500,"date":"2008-02-10T03:31:33","date_gmt":"2008-02-10T02:31:33","guid":{"rendered":"http:\/\/diegosch.wordpress.com\/?p=43"},"modified":"2008-02-10T03:31:33","modified_gmt":"2008-02-10T02:31:33","slug":"torschlusspanik-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/torschlusspanik-party\/","title":{"rendered":"Torschlusspanik-Party"},"content":{"rendered":"<p>\u00dc-30 Parties sind traurig. Also f\u00fcr die Betroffenen. Alle, die deutlich unter 30 sind, empfinden entweder Mitleid, Abscheu oder am\u00fcsieren sich pr\u00e4chtig. Ich schwanke zwischen eins und drei. <i>(Zun\u00e4chst muss man hier erkl\u00e4ren, wie ich mit Anfang\/Mitte 20 auf eine \u00dc-30-Party komme. Strengenommen war es keine Party, sondern schlicht eine Bar, in denen sich Menschen, die Queen noch live erleben durften, tummelten. Ich m\u00f6chte jetzt keinem dort f\u00e4lschlicherweise einen guten Musikgeschmack unterstellen&#8230; fiel mir nur so ein. Wie dem auch sei)<\/i>Bars mit Menschen \u00fcber 30 gleichen einem gigantischen Uterus. Fein aufgereiht sitzen eine Hand voll pulsierende Ovarien (Frauen) fest verankert und lassen sich bewundern, w\u00e4hrend um sie herum hunderte Spermien (M\u00e4nner) nerv\u00f6s t\u00e4nzeln. Sie schubsen sich, jeder will der erste sein und alle sind unendlich aufgeregt, weil sie noch nicht so wirklich ans Ziel gelangen. Denn wenn man mal ehrlich ist: Wieso gehen Singles \u00fcber 30 abends weg? Eben: Um m\u00f6glichst bald unter die Haube zu kommen und Kinder zu zeugen. Die Sturm- und Drangzeit ist vorbei, der gr\u00f6\u00dfte Teil des Freundeskreises hat sich famili\u00e4r zu Ruhe gesetzt, ein Nest gebaut und sie sind der traurige Rest. Die H\u00e4ngengebliebenen, die mit Ende 20 nicht den Absprung geschafft haben und sich immernoch durch die t\u00fcckische Singlewelt k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Nur dass das auf einmal viel schwerer ist als damals, als man auf Studentenparties noch jede Woche eine andere mit nach Hause genommen hat.Man kann die G\u00e4ste grob in drei Gruppen unterteilen:Typ A ist Sabine. Sabine ist tags\u00fcber B\u00fcrokauffrau oder Zahnarzthelferin und schaut sich gerne nach Feierabend Verbotene Liebe an. Wenn sie mal abends ausgeht, dann mit ihren zwei besten Freundinnen, von denen sie die Mauela schon n bissl lieber mag als die Michaela. Die blonden, dauergewellten Haare hat sie mit Haarspray festbetoniert und als neckischen Akzent eine kleine Glitzerspange festgeklippt. Die S.Oliver-Jeans wird brav in die Stiefel gesteckt und so nippt sie an ihrem Vodka-Lemon und konzentrieren sich darauf, dass das etwas zu enge Top nicht verrutscht, w\u00e4hrend sie sich mit Dirk unterh\u00e4lt. Dabei vergisst sie nicht, mit dem linken Zeigefinger st\u00e4ndig eine Haarstr\u00e4hne auf- und wieder abzurollen. Denn sie hat nat\u00fcrlich Sami Molcho auswendig gelernt und kennt sich aus mit K\u00f6rpersprache und wei\u00df wie man die M\u00e4nner verr\u00fcckt macht.Typ B ist Marcus. Marcus ist Systeminformatiker und kocht privat ganz gerne. Wenn er mal abends weggeht, dann am liebsten in seinem schwarzen Glanzhemd vom NewYorker, das mit dem Tribal quer \u00fcber die Schulter. Seine Kumpels, mit denen er normalerweise online zockt, wohnen zu weit weg und er kennt sie auch nicht richtig. Also geht er lieber alleine und tanzt. Einfach so l\u00e4sst er seine etwas zu d\u00fcnnen Beine in den etwas zu kurzen Hosen, deren Bund etwas zu hoch in der Taille sitzt zu Gloria Estefan und Dr. Alban zucken. Wenn die Musik stoppt ist er derjenige, der sich trotzdem bewegt. Balztanz mit ungewisser Zielsetzung.Typ C ist Thorsten. Thorsten hat gerade so ein Gesch\u00e4ft mit einem Kumpel laufen. Wird was ganz gro\u00dfes, weswegen er statusbedingt auf der Party mit Hemd und Anzughose erscheint. Die Haare sind streng nach hinten gegeelt und die Schuhe poliert. Ein Finger steckt im Haken des Sackos, das er so l\u00e4ssig \u00fcber der Schulter tr\u00e4gt. Nat\u00fcrlich kennt der den Barkeeper pers\u00f6nlich, begr\u00fc\u00dft ihn mit Handschlag und bestellt f\u00fcr die &#8222;Ladies&#8220; am Tresen einen Prosecco. Gleich mal Eindruck schinden. Er palavert mit gro\u00dfen Gesten, zupft sich alle paar Minuten einen nichtvorhandenen Fussel vom Hemd und lehnt sich interessiert nach vorne, wenn eine der &#8222;Ladies&#8220; von ihrem Nagelstudio erz\u00e4hlt.Keiner der drei hat Erfolg an diesem Abend. Ok, vielleicht Markus. Der ist zumindest ohne Erwartungen bei der Torschlusspanik-Party erschienen.<i>Sollte ich wirklich eine steile Karriere hinlegen, bei der jegliches Privatleben tief begraben liegt, werde ich als \u00dc-30 NIEMALS solche Etablissements aufsuchen. Eher sterb ich einsam aber in W\u00fcrde.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dc-30 Parties sind traurig. Also f\u00fcr die Betroffenen. Alle, die deutlich unter 30 sind, empfinden entweder Mitleid, Abscheu oder am\u00fcsieren sich pr\u00e4chtig. Ich schwanke zwischen eins und drei. (Zun\u00e4chst muss man hier erkl\u00e4ren, wie ich mit Anfang\/Mitte 20 auf eine \u00dc-30-Party komme. Strengenommen war es keine Party, sondern schlicht eine Bar, in denen sich Menschen, die Queen noch live erleben durften, tummelten. Ich m\u00f6chte jetzt keinem dort f\u00e4lschlicherweise einen guten Musikgeschmack unterstellen&#8230; fiel mir nur so ein. 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