{"id":4965,"date":"2013-05-11T13:23:52","date_gmt":"2013-05-11T01:23:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=4965"},"modified":"2014-08-05T03:49:06","modified_gmt":"2014-08-04T15:49:06","slug":"auf-barensafari-in-transsilvanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/auf-barensafari-in-transsilvanien\/","title":{"rendered":"Auf B\u00e4rensafari in Transsilvanien"},"content":{"rendered":"<h3>Bra\u015fov: km 2470<\/h3>\n<p>Versetzten wir uns einmal in die Lage eines gew\u00f6hnlichen Braunb\u00e4ren. Etwa einszwanzig hoch, zwei Meter lang, dunkelhaarig, Single, bisschen eigensinnig. Wir nennen ihn Viorel, typisch rum\u00e4nisch. Stellen wir uns also vor, Viorel sitzt eines sonnigen Morgens irgendwo im Wald s\u00fcdlich von Bra\u015fov in Transsilvanien. Er hat gerade gefr\u00fchst\u00fcckt, vermutlich W\u00fchlm\u00e4use, lahme Eichh\u00f6rnchen aber vornehmlich Wurzeln. Er muss auf seine Linie achten, denn er hat ordentlich zugelegt \u00fcber den Winter. Viorel sitzt also rum, l\u00e4sst sich die Sonne auf den Pelz scheinen, kratzt sich am Hintern und puhlt in den Z\u00e4hnen. Ihm geht\u2019s gut, nichts st\u00f6rt. Aber dann&#8230; <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich h\u00f6rt er weit unten im Tal ein Ger\u00e4usch: &#8222;Uuuuuiiiiii, Uuuuuiiiii!&#8220;. Er spitzt seine B\u00e4renohren und ahnt B\u00f6ses. Die Rufe kommen n\u00e4her, langsam zwar aber ganz sicher. &#8222;Uuuuuiii Uuuuiiii!&#8220; unterbrochen von Gel\u00e4chter und Gequatsche. \u00c4ste knacken.<\/p>\n<p>Menschen. Na super. Vorbei mit der Ruhe. Viorel l\u00e4sst resignierend den Kopf nach unten sacken, atmet schwer. S\u00fc\u00df, wie sie immer wieder versuchen, ihm mit solch d\u00e4mlichem Rumgeschreie zu verjagen.<\/p>\n<p>Viorel hat jetzt zwei M\u00f6glichkeiten. Er k\u00f6nnte seine B\u00e4renshow abziehen. Volles Programm: Listig durchs Geh\u00f6lz stromern, die Menschen einkesseln, Sprint, auf die Hinterbeine stellen, br\u00fcllen, angreifen, mit den Pranken Halsschlagadern aufrei\u00dfen, Ged\u00e4rme aus Bauchh\u00f6hlen rupfen, die besten Bissen auffressen, r\u00fclpsen, nach Hause gehen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher hat er das \u00f6fter gemacht. Da war er noch j\u00fcnger und tat den Menschen gerne den Gefallen. Heute nicht mehr. Viorel ist viel zu faul, aufzustehen. Seine Beine sind eingeschlafen und er sitzt gerade in so einer richtig sch\u00f6nen Kuhle, in die sein Hintern perfekt reinpasst.<\/p>\n<p>Nein, heute nicht. Sollen sie ruhig weiterschreien und sich freuen, dass er zumindest die Nacht zuvor ein paar Spuren im Schnee hinterlassen hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"B\u00e4renspur\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7284\/8727393725_47ebcac162_o.png\" width=\"400\" \/><\/p>\n<p>[slickr-flickr tag=&#8220;Baerensafari&#8220; items=&#8220;16&#8243; type=&#8220;gallery&#8220; id=&#8220;33787195@N06&#8243;]<\/p>\n<p><a title=\"Wandern bei Brasov, 04\/2013\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157633446072985\/\" target=\"_blank\">Zum ganzen Album auf Flickr<\/a><\/p>\n<p>Mittlerweile ist es Abend. Der Wald ist wieder ruhig, die Menschen haben sich verzogen. Viorel hat den Nachmittag \u00fcber geschlummert und ein paar Kapitel im neusten Stieg Laarson gelesen. Er setzt seine Brille ab und reibt sich die Augen. Es grummelt im Bauch. Zeit f\u00fcr Abendessen.<\/p>\n<p>Pizza! Sein Laster. Deshalb kriegt er auch seinen Speck an den H\u00fcften nicht runter. Egal. Pizza gibt\u2019s meistens in den gro\u00dfen M\u00fcllcontainern am Stadtrand. Viorel tapst also in Richtung Tal. Er macht hinter einer alten Eiche Halt und genie\u00dft den Blick auf die Lichter von Bra\u015fov. Mmmhhhh &#8230; und er freut sich auf sein fettiges Mahl.<\/p>\n<p>Nicht weit von ihm, so 15, 20 Meter, h\u00e4lt ein Auto. Der Motor geht aus, die Scheinwerfer auch und die Fenster nach unten. Gefl\u00fcster, Gekicher. H\u00f6rt sich an wie die zwei V\u00f6gel von heute Vormittag. Das Auto f\u00e4hrt weiter, ein Meter, zwei Meter, und h\u00e4lt wieder. Viorel sieht die beiden ganz genau. Eine Frau und ein Mann. Beide um die 30. Und wie sensationsgeil die in seine Richtung starren &#8230; Sehen k\u00f6nnen sie ihn nicht. Echt jetzt? Nicht mal abends lassen sie ihn in Ruhe?<\/p>\n<p>\u201eUnangenehme Zeitgenossen\u201c, denkt sich Viorel. Fahren am Stadtrand entlang, wie Kindersch\u00e4nder auf Opfersuche, nur um ihn zu sehen. Nein, das muss er sich jetzt nicht geben. Er macht kehrt und l\u00e4uft zur\u00fcck in den Wald. Dann eben keine Pizza. Ist auch besser f\u00fcr die Linie.<\/p>\n<p>___________<\/p>\n<p>Bra\u015fov ist tags\u00fcber \u00fcbrigens b\u00e4renfrei und ein ganz entz\u00fcckendes mittelalterliches St\u00e4dtchen. <a title=\"Bra\u015fov auf Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157633445858877\/\" target=\"_blank\">Zum Stadtrundgang.<\/a><\/p>\n<p>Dracula wollte ich auch besuchen. Er war aber nicht zu Hause. <a title=\"Castelu Bran auf Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157633446779301\/\" target=\"_blank\">Zur Schlossbesichtigung auf Castelu Bran.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versetzten wir uns einmal in die Lage eines gew\u00f6hnlichen Braunb\u00e4ren. Etwa einszwanzig hoch, zwei Meter lang, dunkelhaarig, Single, bisschen eigensinnig. Wir nennen ihn Viorel, typisch rum\u00e4nisch. Viorel sitzt eines sonnigen Morgens irgendwo im Wald s\u00fcdlich von Bra\u015fov in Transsilvanien. Er hat gerade gefr\u00fchst\u00fcckt und l\u00e4sst sich die Sonne auf den Pelz scheinen, kratzt sich am Hintern und puhlt in den Z\u00e4hnen. Ihm geht\u2019s gut, nichts st\u00f6rt. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rt er weit unten im Tal ein Ger\u00e4usch: &#8222;Uuuuuiiiiii, Uuuuuiiiii!&#8220;. 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