{"id":353,"date":"2007-07-29T08:55:57","date_gmt":"2007-07-29T07:55:57","guid":{"rendered":"http:\/\/diegosch.wordpress.com\/?p=201"},"modified":"2008-04-06T00:56:39","modified_gmt":"2008-04-05T22:56:39","slug":"weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/weg\/","title":{"rendered":"weg&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Von einem n\u00fcchternen Standpunkt aus betrachtet, ist es garnicht so schlecht, wenn einem alles geklaut wird, das einen dazu bef\u00e4higt am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.<\/p>\n<p>So kann ich in n\u00e4chster Zeit \u00fcberhaupt kein Geld ausgeben, da weder Bargeld noch EC-Karte vorhanden und die Bank hat auch nur ge\u00f6ffnet, w\u00e4hrend ich arbeite. Das ist gut, denn so kann man viel Geld zusammensparen f\u00fcr die Studiengeb\u00fchren im n\u00e4chsten Semester. Und ich trinke so wesentlich weniger Bier, was sich wiederum positiv auf den Di\u00e4tplan auswirkt.<\/p>\n<p>Ok kein Essen kaufen zu k\u00f6nnen, ist vielleicht etwas ung\u00fcnstig. Aber hey. Vollkornbrot is eh auf Dauer fad. Naturjoghurt auch. Also nicht schlimm, wenn man darauf ne Zeit lang verzichten muss. Und man kommt auch so \u00fcber die Runden. Man muss nur m\u00f6glichst fertig mit Augenringen und zerzauselten Haaren 5 Stunden \u00fcber die Reeperbahn laufen, in der utopischen Hoffnung, dass irgendjemand die Habseligkeiten in der Bar abgegeben hat, und schon gibt einem ein kleiner, betrunkener Mann einen Burger und eine Coke aus. &#8222;Siehst fertig aus, M\u00e4del&#8220;. Ja stimmt. Danke.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem muss ich jetzt auch keine Angst mehr vor den Schaffnern in der U-Bahn haben. Keine Fahrkarte? Ja richtig, weil ich ein Mensch ohne Identit\u00e4t bin, quasi nicht existent so ohne Ausweispapiere. Und solche Menschen brauchen keine Fahrkarten. Au\u00dferdem w\u00e4re die Monatskarte sowieso in meinem Geldbeutel gewesen, h\u00e4tte ich mir je eine gekauft. Also w\u00e4re die jetzt auch weg. Wird er sicher verstehn.<\/p>\n<p>Und ohne Handy f\u00fchlt man sich gleich viel freier. Keine nervigen Anrufe nachts um drei von Menschen, die man ewig nicht gesehn hat und die sich dann v\u00f6llig betrunken mit &#8222;Uah naaa, man is mir schlecht&#8220; melden.<br \/>\nGenerell muss man so mit keinem Menschen mehr reden. Man kann seine ganze wertvolle Energie auf sich konzentrieren. Meditativ in sich versinken und alle \u00e4u\u00dferen Reize ausblenden. Das ist einfach. Ist ja nichts mehr da, was das dann klingelnderweise zerst\u00f6ren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Alles, das jetzt weg ist, hat auch nur einen rein materiellen Wert. Bin keine Person, die Fotos aller Familienmitglieder plus deren Haustiere und Filzl\u00e4use im Geldbeutel sammelt. Hatte auch keine liebevollen SMS von Lebensabschnittsgef\u00e4hrten auf dem Handy gespeichert. Alles nur Nutzgegenst\u00e4nde. Alles ersetzbar, austauschbar.<\/p>\n<p>Das einzige, das nervt: Ich hab erst vor einem Jahr einen neuen Personalausweis beantragt. Und das Bild darauf fand ich ziemlich gelungen. War dummerweise aus dem Passbildautomaten und da bekommt man ja nur vier Abz\u00fcge. Keiner mehr \u00fcbrig, glaub ich. M\u00fcsste mal nach schaun. Aber Bilder sind zu Hause in Hessen. Ach ja stimmt, verf\u00fcge kein Bargeld f\u00fcr eine Fahrkarte. Also egal.<\/p>\n<p>So und wer v\u00f6llig sarkasmusresistent ist und diesen Text auch nur ansatzweise ernst nimmt, ist herzlich eingeladen sich mit mir in die Elbe zu st\u00fcrzen. Is ja kein Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einem n\u00fcchternen Standpunkt aus betrachtet, ist es garnicht so schlecht, wenn einem alles geklaut wird, das einen dazu bef\u00e4higt am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. 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