{"id":3381,"date":"2012-02-26T21:48:10","date_gmt":"2012-02-26T20:48:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=3381"},"modified":"2013-12-23T12:33:35","modified_gmt":"2013-12-23T11:33:35","slug":"israel-in-superlativen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/israel-in-superlativen\/","title":{"rendered":"Israel in Superlativen"},"content":{"rendered":"<p>Wie das so ist mit dem Reisen, man erlebt so viel, trifft so viele Menschen, f\u00fchrt so viele Gespr\u00e4che und hat zu wenig Zeit und Muse f\u00fcr anderes &#8211; das gilt f\u00fcrs Postkartenschreiben wie f\u00fcrs Bloggen. Drei Wochen Israel gingen viel zu schnell vorbei und sind nicht ann\u00e4hernd genug f\u00fcr dieses Land &#8211; so klein es auch ist (hat etwa die Fl\u00e4che von Mecklenburg-Vorpommern, inklusive der besetzten Gebieten&#8230; also denen von Israel). Die Reise in der Zusamenfassung nach Superlativen. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Das Imposanteste:<\/strong><br \/>\n<a title=\"DSC02193 von pisaei85 bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/6911926357\/\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left; margin-right: 10px; margin-bottom: 10px; margin-top: 5px;\" title=\"Petra\" alt=\"Petra\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7183\/6911926357_5bd4966d77_b.jpg\" width=\"200\" \/><\/a>Definitiv Petra! Das liegt zwar in Jordanien und geh\u00f6rt deshalb strenggenommen nicht wirklich zur Israel-Rundreise aber \u00fcber die Grenze gehuscht ist man ja schnell. Ganz ehrlich: Ich hab so etwas noch nie gesehen. Bauwerke, dutzende Meter hoch, einfach so in Sandstein gehauen; Canyons, die mit denen in Arizona locker mithalten k\u00f6nnen; Gesichter (achtung Plaittit\u00fcde) wie aus 1001 Nacht (tschuldigung, aber es stimmt) und \u00a0arge Indiana-Jones-Atmosph\u00e4re. Nur saukalt wars und es hat geschneit. In Jordanien. Wie gut, wenn es dann Beduinen gibt, die uns &#8222;beautiful women&#8220; an ihr w\u00e4rmendes Feuer im Beduinencamp laden und Unmengen gegrillte H\u00e4hnchen ungefragt in unsere M\u00fcnder stopfen. Dazu einen bapps\u00fc\u00dfen Minztee und das arabische Klischee ist perfekt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[slickr-flickr tag=&#8220;Petra&#8220; items=&#8220;14&#8243; type=&#8220;gallery&#8220; id=&#8220;33787195@N06&#8243;]<\/p>\n<p><small><a title=\"Flickr-Album Petra\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157629406427041\/\" target=\"_blank\">Zu den Bildern aus Petra<\/a><\/small><\/p>\n<p><strong>Das Leckerste:<\/strong><br \/>\nHUMUS! Morgens, mittags, abends. Garniert mit kr\u00e4ftigem Oliven\u00f6l und frischer Petersilie. Dazu warmes Pitabot. Nuff said. (Oh und die Riesendatteln aus dem Kibbutz En Gedi am toten Meer&#8230; boah!)<\/p>\n<p><strong>Das Schmerzlichste:<\/strong><br \/>\nBei Wind und Wellen im Toten Meer baden, 30-prozentige Salzlauge ins Auge bekommen und sich die F\u00fc\u00dfe an scharfkantigen Salzbergen blutig kratzen.<\/p>\n<p><strong>Das Atheistischste:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7039\/6927875041_b739a04593_b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left; margin-right: 10px; margin-bottom: 10px; margin-top: 5px;\" title=\"Christliche M\u00f6nche in Jerusalem\" alt=\"Christliche M\u00f6nche in Jerusalem\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7039\/6927875041_b739a04593_b.jpg\" width=\"200\" \/><\/a>Auf der Via Dolorosa in der Alstadt Jerusalems begegnen sich drei Weltreligionen. Der muslimischen Frau mit Kopftuch, die in den kleinen Gesch\u00e4ften ihre Eink\u00e4ufe erledigt, stolpert ein orthodoxer Jude in schwarzer Tracht und Gebetslocken \u00fcber die F\u00fc\u00dfe, w\u00e4hrend eine christliche Reisegrupe aus den USA um die Ecke biegt, die gemeinsam singend ein meterlanges Jesukreuz schultern. Ich hab wirklich versucht, mich religi\u00f6s zu stimmen, hab in der Grabeskirche in einer ruhigen Nische auf Erleuchtung gewartet&#8230; aber nichts. &#8222;When you don&#8217;t have the itch, you just don&#8217;t have it&#8220;, hat Libi aus dem Golan ein paar Tage zuvor\u00a0zu dem Thema gesagt. Stimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[slickr-flickr tag=&#8220;Jerusalem&#8220; items=&#8220;14&#8243; type=&#8220;gallery&#8220; id=&#8220;33787195@N06&#8243;]<\/p>\n<p><small><a title=\"Flickr Album Jerusalem\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157629084334666\/\" target=\"_blank\">Zum den Bildern aus Jerusalem<\/a><\/small><\/p>\n<p><strong>Das D\u00fcmmste:<\/strong><br \/>\nEin 34-j\u00e4hriger j\u00fcdischer Alpham\u00e4nnchen-Businesskasper mit Profilneurose, der nichts \u00fcber seine Stadt (Jerusalem) wei\u00df, einem aber trotzdem was zeigen wollte. Im Orthodoxenviertel f\u00e4llt ihm nichts anderes ein, als darauf hinzuweisen, dass an &#8222;Leuten, wie denen&#8220; [den orthodoxen Juden, die vornehmlich dem Torahstudium nachgehen und deshalb von Armeedienst und Steuerlast befreit sind] der israelische Staat krankt und er verstehen k\u00f6nne, warum Hitler damals die Juden umgebracht hat &#8211; n\u00e4mlich wegen &#8222;solchen, wie denen&#8220;. Meine deutsche, schuldbeladene Identit\u00e4t haben mich daraufhin dazu verleitet, ihn darauf hinzuweisen, dass der verr\u00fcckte \u00d6sterreicher nicht nur die religi\u00f6sen sondern auch ungl\u00e4ubige Juden wie ihn vergast hat, weils damals n\u00e4mlich wurscht war. Hauptsache weg damit. Daraufhin: Schweigen.<\/p>\n<p><strong>Das \u00dcberraschendste:<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7045\/6910546323_e0b251dbd1_b.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"float: left; margin-right: 10px; margin-bottom: 10px; margin-top: 5px;\" title=\"Schuster in Hebron\" alt=\"Schuster in Hebron\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7045\/6910546323_e0b251dbd1_b.jpg\" width=\"200\" \/><\/a>Das Westjordanland ist nicht so elend, die Stimmung dort nicht so d\u00fcster und die Menschen nicht so militant wie ich glaubte. Es war \u00fcberraschend ruhig in Betlehem und Hebron, auch wenn mir Hinweise auf den schwelenden Konflikt \u00fcberall ins Auge stachen. Ja, die Mauer ist gigantisch und ja man sieht israelische Siedlungen und zwar nicht wenige. Einige so gro\u00df, dass man Bedenken hat, ob die nicht noch einen Graben in das Gebiet rei\u00dfen, wenn sie sich weiter ausdehnen. Durch die Hebroner Altstadt patroullieren unabh\u00e4ngige Beobachter aus Europa in dunkelblauen Blousons, die darauf achten, dass die Hausdurchsuchungen der israelischen Armee halbwegs human ablaufen. Und bei jedem Besuch einer Synagoge oder Moschee wird man von fies dreinschauenden israelischen Soldaten unangenehm befragt und gefilzt. Aber sonst: Die Menschen sind freundlich, schenken einem \u00c4pfel und Cola, freuen sich, dass man da ist, machen echt verdammt gutes Baklava und es gibt sehr spannende Gesichter, die sich gerne fotografieren lassen, wenn man nett fragt.<\/p>\n<p>[slickr-flickr tag=&#8220;West Bank&#8220; items=&#8220;14&#8243; type=&#8220;gallery&#8220; id=&#8220;33787195@N06&#8243;]<\/p>\n<p><small><a title=\"Flickr Album Westjordanland\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157629405215111\/\" target=\"_blank\">Zum den Bildern aus\u00a0 Bethlehem und Hebron<\/a><\/small><\/p>\n<p><strong>Das Einfachste:<\/strong><br \/>\nTrampen in den Golan-H\u00f6hen. Wartezeit zwischen 0:20 und 1:35 Minuten.<\/p>\n<p><strong>Das Billigste:<\/strong><br \/>\n<a title=\"Pia auf Couchsurfing\" href=\"http:\/\/www.couchsurfing.org\/people\/pisaei\/\" target=\"_blank\">Couchsurfen<\/a>. Bis auf En Gedi am Toten Meer hat das \u00fcberall in Israel ganz wunderbar geklappt. Und dort auch nur deshalb nicht, weil in der W\u00fcste am tiefsten Punkt der Erde au\u00dfer Felsen und Salzwasser, Steinb\u00f6cken, einer Tankstelle und zwei Jugendherbergen einfach nix ist. Ja okay, es gibt einen Kibbutz aber der besteht quasi nur aus einer Dattelplantage und\u00a0einem sauteuren Hotel.<\/p>\n<p><strong>Das Argentinischste:<\/strong><br \/>\nAls halbe Argentinierin in einem Land, in dem es von Gauchos nur so wimmelt, hat man&#8217;s leicht. Irgendwie findet man \u00fcberall welche und wenn man dann erz\u00e4hlt, dass man selbst Wurzeln in S\u00fcdamerika hat, steht einem Israel offen. Pl\u00f6tzlich kommt man in Hostels unter, die eigentlich ausgebucht sind, wird spontan zum Mittagessen eingeladen oder bekommt die Handynummer des Bruders eines Cousins der argentinischen Nachbarin, der eine K\u00e4sefabrik bei Jerusalem hat und Leute sucht, die mithelfen. K\u00e4se machen in Israel&#8230; mhhhhh&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie das so ist mit dem Reisen, man erlebt so viel, trifft so viele Menschen, f\u00fchrt so viele Gespr\u00e4che und hat zu wenig Zeit und Muse f\u00fcr anderes &#8211; das gilt f\u00fcrs Postkartenschreiben wie f\u00fcrs Bloggen. Drei Wochen Israel gingen viel zu schnell vorbei und sind nicht ann\u00e4hernd genug f\u00fcr dieses Land &#8211; so klein es auch ist (hat etwa die Fl\u00e4che von Mecklenburg-Vorpommern, inklusive der besetzten Gebieten&#8230; also denen von Israel). 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