{"id":277,"date":"2007-05-11T19:58:33","date_gmt":"2007-05-11T18:58:33","guid":{"rendered":"http:\/\/diegosch.wordpress.com\/?p=286"},"modified":"2008-04-06T01:10:04","modified_gmt":"2008-04-05T23:10:04","slug":"da-war-doch-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/da-war-doch-was\/","title":{"rendered":"Da war doch was&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Besonders seltsam sind diie Tage, an denen man aus dem Haus geht, elf Stunden sp\u00e4ter wieder heimkommt und viele Menschen aus der eigenen Biographie wiedergesehn hat, aber nicht alle davon richtig einzuordnen wei\u00df. Menschen aus der Vergangenheit, die man nach Jahren erst wieder zu Gesicht bekommt, gliedern sich in unterschiedliche Kathegorien:<\/p>\n<p><strong>Die naive G\u00f6re<\/strong><br \/>\nIst  man jung, ein bisschen klug und steht unter finanziellem Druck gibt man in der Regel Nachhilfe. Meist Englisch oder Deutsch (nie Mathe, man m\u00f6chte ja keinen irreparablen Schaden anrichten). In meinem Fall hatte ich  meistens kleine vorpubert\u00e4re M\u00e4dels im Alter von 12 oder 13 Jahren, die sich an meinem fulminanten Wissen mehr oder minder laben wollten. Damals trugen sie noch Pferdeschwanz und rosa Kaputzenpullies. An den Rucks\u00e4cken hingen kleine Diddl-M\u00e4use und an Make up war noch garnicht zu denken. Heute, vier Jahre sp\u00e4ter, sehn sie allesamt aus wie Uschi vom Sonnenstudio. Haare bis aufs \u00c4u\u00dferste gebleicht, die haut ledrig von k\u00fcnstlichem UV-Licht und billiger Gesichtspaste. Statt Kuscheltieren an Rucks\u00e4cken h\u00e4ngen Swarovski-Kristall-Imitat-Anh\u00e4ngerchen an einer winzigen schwarzen Handtasche, die mehr als Achselschwei\u00dfsammelbh\u00e4lter dient, als zum Verstauen von Gebrauchsgegenst\u00e4nden. Kaputzenpullies tragen sie immer noch. Aber etwas k\u00fcrzere. Man muss ja das Bauchpiercing sehen. Und da dachte man, man h\u00e4tte Werte vermittelt&#8230;<\/p>\n<p><strong> Der Urproll aus Urzeiten<\/strong><br \/>\nGrundschule ist auch bei mir schon verdammt lange her. Trotzdem erkennt man auf der Stra\u00dfe Leute wieder, mit denen man Lesen, Schreiben und (ein bisschen) Rechnen gelernt hat. Also ich zumindest. Bei dem Gegen\u00fcber bin ich mir nicht sicher. Das gleiche Boxergesicht wie fr\u00fcher, nur vernarbter und auf die typische Small-Talk-Frage hin, was er denn so mache, kriegt man als Antwort in einem Mix aus russich, t\u00fcrlisch und deutsch: &#8222;Joa nix&#8230;arbeitslos. Aber isch und meine Perle haben da so Gesch\u00e4ft am laufen. Geht ganz korrekt. Immer unterwegs und so.&#8220;<br \/>\nDanke f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><strong>Das Luxusgut <\/strong><br \/>\nSitzt  man so im Zug und sieht sein Gegen\u00fcber so an, dann denkt man sich was f\u00fcr ein unglaublich sch\u00f6ner Mann das doch ist. Markantes Gesicht, 3-Tage-Bart, tolle Frisur, sch\u00f6ne H\u00e4nde, l\u00e4ssiger Klamottenstil, eben das volle Programm. Klug noch dazu. Studiert scheinbar Medizin, den Fachb\u00fcchern nach zu urteilen, in die er gerade hineinkriecht. Und dann gr\u00fcbelt man dar\u00fcber nach woher einem der Beau so bekannt vorkommt. Magazin-Cover? Naja, im Odenwald eher unwahrscheinlich. Hei\u00dfe Nacht von vor drei Wochen? Nein, auch das kann man getrost ausschlie\u00dfen. Man kramt in seinem Ged\u00e4chtnis wie an einem W\u00fchltisch im Kaufhof und zieht ganz ganz unten schlie\u00dflich den Tigertanga mit roter Spitze hervor (im \u00fcbertragenen Sinne): Der Kleine aus der 7. Klasse, der nach einem halben Jahr schon wieder weg war! Oder ist ers doch nicht? Ja, man k\u00f6nnte nachfragen. Traut sich aber nicht. Zu sch\u00f6ne Menschen sollten nicht bel\u00e4stigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonders seltsam sind diie Tage, an denen man aus dem Haus geht, elf Stunden sp\u00e4ter wieder heimkommt und viele Menschen aus der eigenen Biographie wiedergesehn hat, aber nicht alle davon richtig einzuordnen wei\u00df. Menschen aus der Vergangenheit, die man nach Jahren erst wieder zu Gesicht bekommt, gliedern sich in unterschiedliche Kathegorien: Die naive G\u00f6re Ist man jung, ein bisschen klug und steht unter finanziellem Druck gibt man in der Regel Nachhilfe. 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