{"id":2524,"date":"2010-06-07T11:06:52","date_gmt":"2010-06-06T23:06:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=2524"},"modified":"2015-11-16T06:47:08","modified_gmt":"2015-11-15T17:47:08","slug":"24-tage-auf-dem-atlantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/24-tage-auf-dem-atlantik\/","title":{"rendered":"24 Tage auf dem Atlantik"},"content":{"rendered":"<p>Ich will Hochseesegeln mal so beschreiben: Stellt Euch vor, jemand bindet Euch ganz nah hinter dem Tornetz auf einem Fu\u00dfballplatz fest. Dann kommt die Mannschaft und \u00fcbt Elf-Meter-Schie\u00dfen. Und das 24 Tage lang, 24 Stunden t\u00e4glich, alle paar Sekunden volles Holz aufs Tor. Jedes Mal zuckt Ihr zusammen und denkt: &#8222;Schei\u00dfe, hoffentlich h\u00e4lt das Netz!&#8220; Dabei sch\u00fcttelt man Euch die ganze Zeit durch, w\u00e4hrend Ihr versucht, trotz dem Geballere irgendwie zu schlafen. Das ist keine Freude.<\/p>\n<p>Noch im Februar, als die Atlantik\u00fcberfahrt auf einem Segelboot noch eine fixe Idee war, hab ich meinen zuk\u00fcnftigen Kapit\u00e4n gefragt was man denn eigentlich so macht w\u00e4hrend der ganzen Zeit. Jetzt wei\u00df ich es: essen, schlafen und der Dinge harren. Essen und schlafen kann ich gut, nur Geduld und M\u00fc\u00dfiggang geh\u00f6rten noch nie zu meinen gro\u00dfen St\u00e4rken. Fang ich das eine an, ist das n\u00e4chste schon in Planung und das Dritte Vorhaben schon im Hinterkopf. Dann ist es besser, wenn das erste schon lange vorbei ist und ich zum n\u00e4chsten Programmpunkt \u00fcbergehen kann. Ich warte einfach nicht gerne. Da ist eine Reise in einem Segelboot, um von A nach B zu kommen, sicher nicht die beste Wahl. Gerade wenn A und B 2700 Meilen weit auseinander liegen und dazwischen einfach nichts au\u00dfer Wasser, Wind und Wellen ist.<\/p>\n<p>Und damit ist nicht zu spa\u00dfen. Wie oft dachte ich ans Aussteigen als sich drau\u00dfen vier Meter hohe Wellen an der Bordwand gebrochen haben und das Wasser so gegen das Br\u00fcckendeck schlugt, dass Regale einfach abger\u00e4umt wurden und Gl\u00e4ser Zentimeter in die H\u00f6he h\u00fcpften. Aber Aussteigen ist nicht. Man muss einfach durchhalten. Irgendwann hab ich w\u00e4hrend meinen n\u00e4chtlichen Wachen nur noch auf das GPS-Ger\u00e4t gestarrt und die Sekunden und Minuten gez\u00e4hlt, die wir gen Osten vorstie\u00dfen.<\/p>\n<p>Aber so sind ja nur die schlechten Tage. An den guten konnten wir Delphine beobachten, die immer mal wieder w\u00e4hrend unserer Reise auf eine Visite vorbei kamen und neugierig um das Boot gesprungen sind. Und die Flauten waren angenehm. Wir sind zwar mangels Wind\u00a0 tagelang nicht voran gekommen, sind sogar nachts Meilen zur\u00fcckgetrieben, aber es hat nicht geschaukelt und ich hatte nicht das Gef\u00fchl dauernd meinen Mageninhalt loszuwerden. Und ich war schwimmen, wo vielleicht sogar noch nie jemand schwimmen war (Position: <a href=\"http:\/\/maps.google.de\/maps?q=N27%C2%B023%E2%80%B2+W064%C2%B058%E2%80%B2&amp;hl=de&amp;ie=UTF8&amp;sll=47.737811,9.247834&amp;sspn=0.007677,0.021136&amp;t=h&amp;z=2\">N27\u00b023&#8242; W064\u00b058&#8242;<\/a>)<\/p>\n<p>Was ich w\u00e4hrend der 24 Tage gelernt habe:<br \/>\n&#8211; ich bin keine Seefrau<br \/>\n&#8211; ich kann nicht rudern<br \/>\n&#8211; ansatzweise Wetterkarten lesen<br \/>\n&#8211; ein paar Seemannsknoten (aber nur aus einem Blickwinkel. Sobald was verdreht ist, kriegt das mein Kopf schon wieder nicht mehr hin)<br \/>\n&#8211; Segel flicken<br \/>\n&#8211; ich kann auf See genau so wenig Kuchen backen wie zu Hause unter Normalbedingungen<br \/>\n&#8211; auch mit 25 kommt es vor, dass man dank Seegang nicht mehr ohne Probleme eine zweistufige Treppe hochkommt<br \/>\n&#8211; N\u00e4hen k\u00f6nnte ein neues Hobby werden.<br \/>\n&#8211; Nach sieben Tagen ohne Haare waschen, braucht man kein Haarband, um sich einen Zopf zu machen<br \/>\n&#8211; und vielleicht das Wichtigste &#8211; ich habe zumindest ein wenig gelernt: Umst\u00e4nde, an denen ich nichts \u00e4ndern kann, einfach hinzunehmen. Und an der Wetterk\u00fcche auf dem Atlantik kann man einfach in einem winzigen Segelboot garnix \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Was ich indes vorher schon wusste:<br \/>\nWenn man sich unwohl f\u00fchlt und die M\u00f6glichkeit hat, was an seiner Situation zu \u00e4ndern, sollte man das tun.<\/p>\n<p>In dem Sinne: Ich steig hier auf den Azoren aus und nehm den Flieger nach Hause. Wird auch langsam mal wieder Zeit. Man vermisst mich schmerzlich.<\/p>\n<p><small><a title=\"Atlantic-Cross auf Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pisaei\/sets\/72157624098717607\/\" target=\"_blank\">Zum ganzen Album auf Flickr<\/a><\/small><\/p>\n<p><small>(Fotos: Bernd M. und Johannes Lampel)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will Hochseesegeln mal so beschreiben: Stellt Euch vor, jemand bindet Euch ganz nah hinter dem Tornetz auf einem Fu\u00dfballplatz fest. Dann kommt die Mannschaft und \u00fcbt Elf-Meter-Schie\u00dfen. 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