{"id":2305,"date":"2010-02-26T03:40:15","date_gmt":"2010-02-26T06:40:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=2305"},"modified":"2013-03-20T11:05:00","modified_gmt":"2013-03-20T10:05:00","slug":"testigos-de-jehova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/testigos-de-jehova\/","title":{"rendered":"Peligro"},"content":{"rendered":"<p>Es ist gef\u00e4hrlich da drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Es trug sich zu an einem f\u00fcr die Gegend recht k\u00fchlen Donnerstagabend. Sie lief durch eine an sich sichere Gegend im Westen von Mendoza, als ein Frau mittleren Alters vor ihr sich umdrehte, zusammenzuckte und l\u00e4chelnd mit den Worten &#8222;Gott sei Dank, es ist eine Frau&#8220; zu stehen kam. Das sollte nur der Anfang eines eher denkw\u00fcrdigen Abends sein.<\/p>\n<p>Gemeinsam gingen Sie die Stra\u00dfe entlang. Zwei Kolleginnen an ihrem freien Abend. Die Stra\u00dfenlaternen leuchteten sp\u00e4rlich den Weg die Allee entlang. Sie tauschten den neusten Arbeits-Tratsch aus, als ein Mann ihnen hinterher ging. &#8222;Ich hab euch englisch sprechen h\u00f6ren&#8220; sagte er und zog hastig an seiner Zigarette.<\/p>\n<p>In seiner Muttersprache wollte er plaudern, solange bis seine Frau nach Hause kommt. Wo sie her k\u00e4men und wie lang sie schon hier seien, wollte er wissen. Es sei gef\u00e4hrlich um die Zeit f\u00fcr zwei junge Frauen so allein. Rauch quoll zwischen seinen Lippen hervor und er keuchte als er seine Geschichte erz\u00e4hle.<\/p>\n<p>Rocky, Deutsch-Pole. Sein Leben verbrachte er in Chicago, arbeite als hohes Tier zusammen mit engen Vertrauten von Obama. Heiratete eine argentinische Itaienerin und nach Jahren in der Toskana hat es ihn hierher verschlagen. Er spricht Deutsch &#8211; fast fehlerfrei. Das fahle Licht gl\u00e4nzt auf seiner Halbglatze.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tten sich Dinge zugetragen in den letzten zwei Wochen. Frauen wurden im Auto \u00fcberfallen. Angesehene Anw\u00e4lte hat man in ihren Wohnungen ausgeraubt. Mendoza, die als eine der sichersten St\u00e4dte in Argentinien gilt, r\u00fcck in ein diffuses, gef\u00e4hrliches Licht.<\/p>\n<p>Seine Frau, eine kleine Dunkelhaarige in ihren Vierzigern, st\u00f6\u00dft zu ihnen und erz\u00e4hlt exakt das Gleiche, was der Alte mit dem Bierbauch und dem Zwiebelmundgeruch schon berichtet hat: Raub\u00fcberf\u00e4lle und zwielichtige Gestalten an allen Ecken. Sie kommt gerade von einem Treffen der Zeugen Jehovas und ist ohne Zweifel betrunken. Ihr Augen sind tr\u00fcbe und sie h\u00f6rt nicht auf, zu quasseln.<\/p>\n<p>Die beiden Kolleginnen wollen gehen, verpassen aber jeden Augenblick die Unterhaltung galant zu beenden. Es wird immer sp\u00e4ter. Die Minuten verstreichen und kein Ende in Sicht. Essen m\u00fcssen sie, sagt die eine. Hunger haben sie, die andere. Keine Chance. Als Halbitalienerin ist die Zeugin mit Essen genau in ihrem Metier.<\/p>\n<p>Ob sie denn Spaghetti zu Hause habe. Und Tomaten? Knoblauch? Jajaja. Fein schneiden m\u00fcsste man alles. Nudeln al dente kochen und dann einfach zusammen schmei\u00dfen. Zehn Minuten und man hat ein leckeres Pastagericht. Ach was. Sie gibt ihnen Nudeln mit. Hier in Argentinien seien die Nudeln ja nichts. Alle mit Ei. Basilikum habe sie leider keins. Aber Petersilie und Peperoni. Getrocknet. Danke.<\/p>\n<p>Es sind nicht die jungen Kerls, mit den tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen, die jungen Frauen abends um elf in Mendoza Angst machen sollten. Es sind betrunkene Jehovas Zeugen mit Mundgeruch, die einfach nur reden wollen, vor denen man sich f\u00fcrchten muss. Normalerweise klingeln die und man kann sich tot stellen. Aber so auf offener Stra\u00dfe. Keine Chance.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist gef\u00e4hrlich da drau\u00dfen. Es trug sich zu an einem f\u00fcr die Gegend recht k\u00fchlen Donnerstagabend. 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