{"id":2181,"date":"2010-01-23T14:02:11","date_gmt":"2010-01-23T16:02:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=2181"},"modified":"2013-06-03T22:37:28","modified_gmt":"2013-06-03T20:37:28","slug":"hola-para-tomar-algo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/hola-para-tomar-algo\/","title":{"rendered":"&#8222;Hola, para tomar algo?!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Kellnern macht Spa\u00df. Man muss es sich nur oft genug sagen.<\/p>\n<p>Manchmal macht&#8217;s das auch wirklich. Gerade wenn viele Touristen unterwegs sind, die so gar kein Spanisch sprechen. Dann werd ich als multilinguales Zugpferdchen aus dem Stall gelassen und darf nach Herzenslust \u00fcbersetzen. &#8222;Milanesa&#8220; hei\u00dft Schnitzel. Ja, das m\u00f6gen die Mitteleurop\u00e4er. Nach Argentinien fahren, das gleiche essen wie zu Hause und dann von einer Deutschen bedient werden.<\/p>\n<p>Und da die sich auch brav an die Reisetipps im Lonelyplanet halten und glauben, es sei normal, zehn Prozent Trinkgeld zu geben, kommt bei einer 700 Peso Rechnung (ja, manche Menschen versaufen an einem Abend meine Monatsmiete) 70 Peso Trinkgeld rum. Das ist nat\u00fcrlich die Ausnahme. Argentinier sind gescheiter und runden einfach zwei Peso auf. Das ist zwar sch\u00e4big f\u00fcr mich aber wer soll&#8217;s ihnen verdenken.<\/p>\n<p>So als Ausl\u00e4nder, dem man das auch anh\u00f6rt, hat man einen &#8222;Och die is ja nicht von hier und hat hier niemanden&#8230; armes Ding&#8220;-Bonus. Dann gibt&#8217;s geringf\u00fcgig mehr Trinkgeld und ein &#8222;Viel Gl\u00fcck hier und in deinem weiteren Leben&#8220; als Abschiedsgru\u00df. Wurde unl\u00e4ngst sogar als Ukrainerin bezeichnet, was ja sogar zu einem Sechzehntel stimmt. W\u00fcrde mir das in Deutschland passieren, w\u00e4re ich dennoch etwas pikiert.<\/p>\n<p>Solang ich meinen Mund halte und einfach rumsteh, fall ich allerdings nicht als Fremdk\u00f6rper auf. Dann seh ich so argentinisch aus, dass chilenische Touristen Fotos von mir machen und sich unendlich freuen, dass sie eine &#8222;echte&#8220; argentinische Kellnerin auf dem Bild haben. Daf\u00fcr bekomm ich allerdings kein Geld. Sollte meinen Businessplan diesbez\u00fcglich mal optimieren.<\/p>\n<p>Das einzige, was wirklich stinkt, ist die Tatsache, dass wir auf Kommission arbeiten. Das hei\u00dft: Wenn niemand an meinen Tischen sitzt, mach ich keinen Umsatz und verdien in Neun-Stunden-Schicht gesch\u00e4tzt&#8230; n\u00fcschte. Die Kellnerkonkurrenz schl\u00e4ft nicht und deshalb: niemals einfach nur rumstehen, sondern immer l\u00e4cheln und im Sekundentakt Passanten zum Trinken \u00fcberreden (&#8222;Para tomar algo?!&#8220;). Dann h\u00f6rt man wieder, dass ich eigentlich gar nicht von hier bin. Sondern eine Deutsch\/Argentinierin mit einem Touch Ostblock. Armes Ding. Viel Gl\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kellnern macht Spa\u00df. Man muss es sich nur oft genug sagen. Manchmal macht&#8217;s das auch wirklich. Gerade wenn viele Touristen unterwegs sind, die so gar kein Spanisch sprechen. Dann werd ich als multilinguales Zugpferdchen aus dem Stall gelassen und darf nach Herzenslust \u00fcbersetzen. &#8222;Milanesa&#8220; hei\u00dft Schnitzel. Ja, das m\u00f6gen die Mitteleurop\u00e4er. Nach Argentinien fahren, das gleiche essen wie zu Hause und dann von einer Deutschen bedient werden. 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