{"id":1641,"date":"2009-09-02T22:15:43","date_gmt":"2009-09-02T20:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pia-roeder.de\/?p=1641"},"modified":"2009-09-02T22:54:59","modified_gmt":"2009-09-02T20:54:59","slug":"das-gegenteil-von-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/das-gegenteil-von-liebe\/","title":{"rendered":"Das Gegenteil von Liebe"},"content":{"rendered":"<p>Sie sieht ihn. Er sieht sie. Unregelm\u00e4\u00dfig. Ab und an im Zug. Wie man sich eben so auf dem Weg zur Arbeit sieht. Ein Nicken, ein L\u00e4cheln, das nach der H\u00e4lfte erstickt. Ein stummes &#8222;Darf ich mich setzen?&#8220;. Er liest, immer dann wenn sie ihn sieht, ein Buch \u00fcber Knochen-Serienm\u00f6rder-Psycho-Kram. Sie liest, wenn er sie sieht, Zeitung &#8211; wie \u00fcblich. Miteinander reden sie kein Wort, die Blicke starr auf Satzfetzen gerichtet. Sie denkt: Jooaaa&#8230; Er denkt: irgendetwas anderes.<\/p>\n<p>So geht das Monate, ein halbes Jahr, noch l\u00e4nger bis man sich wiedersieht.\u00a0 Diesmal woanders. Er steht am Bierstand und ordert einen Meter Bier. Ist so \u00fcblich in der Gegend. Sie bestellt nur eins. Muss noch fahren. Er l\u00e4chelt, sie l\u00e4chelt. Schlie\u00dflich unterhalten sich. Eher schleppend. \u00dcber B\u00fccher, die er morgens liest und \u00fcber Arbeitszeiten zu denen sie anf\u00e4ngt. Wie man sich eben so unterh\u00e4lt wenn der eine zu betrunken ist, um unterhaltsam zu sein, und der andere zu n\u00fcchtern, um da Gegen\u00fcber unterhaltsam zu finden. Trotzdem ist sie nerv\u00f6s. K\u00f6nnte an den behaarten Unterarmen liegen und den Stoppeln im Gesicht. &#8222;Vielleicht sieht man sich nochmal im Zug!&#8220; Joaaa.<\/p>\n<p>Zwei Wochen hat sie sich vor der Arbeit ein bisschen mehr Gedanken \u00fcber ihre Gaderobe gemacht. Zwei Wochen lang stand sie am Bahnhof und hat sich die Haare zurecht getrichen. V\u00f6llig grundlos. Eigentlich fand sie es auch v\u00f6llig belanglos. Was solls.<\/p>\n<p>An einem Abend im Sp\u00e4tsommer nach einem Besuch in einer Bar: Ros\u00e9 gabs. Einen ganz dunklen aus Spanien. Als besonders aromatisch hat ihn der Kellner angepriesen. Wie auch immer. Und Binoade aus Quitte. Dem Obst, das sie nie so wirklich verstanden hat. Egal, es schmeckt.<\/p>\n<p>Sie sehen sich wieder. Unverhofft dieses Mal. Sie steigt in den Zug nach Hause, er reibt sich die Augen. Es ist schon sp\u00e4t. Gedanken \u00fcber Kleidung und Haare sind jetzt hinf\u00e4llig. Sie setzt sich zu ihm. Er l\u00e4chelt und d\u00f6st. Sie ist es, die diesmal ein Buch liest (keinen Knochen-Serienm\u00f6rder-Psycho-Kram). &#8222;Schlaf ruhig weiter.&#8220; &#8211; &#8222;Werd ich machen&#8220;. Sonst kein Wort. Zum Ende der Fahrt plaudern \u00fcber dies und das. Belangloses Zeug. Was macht er, was macht sie. Eigentlich auch egal.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Unterarme, die Stoppeln im Gesicht und das einzige, an das sie denken kann, ist, wie unglaublich arg sie aufs Klo muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sieht ihn. Er sieht sie. Unregelm\u00e4\u00dfig. Ab und an im Zug. Wie man sich eben so auf dem Weg zur Arbeit sieht. Ein Nicken, ein L\u00e4cheln, das nach der H\u00e4lfte erstickt. Ein stummes &#8222;Darf ich mich setzen?&#8220;. Er liest, immer dann wenn sie ihn sieht, ein Buch \u00fcber Knochen-Serienm\u00f6rder-Psycho-Kram. Sie liest, wenn er sie sieht, Zeitung &#8211; wie \u00fcblich. Miteinander reden sie kein Wort, die Blicke starr auf Satzfetzen gerichtet. Sie denkt: Jooaaa&#8230; Er denkt: irgendetwas anderes. 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