{"id":103,"date":"2006-08-18T14:39:12","date_gmt":"2006-08-18T13:39:12","guid":{"rendered":"http:\/\/diegosch.wordpress.com\/?p=480"},"modified":"2008-04-05T12:51:08","modified_gmt":"2008-04-05T10:51:08","slug":"das-buro-des-grauens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pia-roeder.de\/de\/das-buro-des-grauens\/","title":{"rendered":"Das B\u00fcro des Grauens"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mich diese Woche zum ersten Mal in die dunklen B\u00fcrogem\u00e4uer der Firma meines Exfreundes getraut. Wer das jetzt f\u00fcr ungew\u00f6hnlich h\u00e4lt, dem sei gesagt, dass ich ihm einen Schl\u00fcssel vorbeibringen musste. Also nicht irgendein Schl\u00fcssel, sondern den von seiner Firma. Hat er n\u00e4mlich vegressen. Im Auto. Das Ei. Aber das nur nebenbei (Ha, ein ungeplanter Reim).<\/p>\n<p>Ich stehe also vor der schweren T\u00fcr aus Stahl mit der dunkelblau-get\u00f6nten Glasscheibe und dr\u00fccke mir die Nase platt, weil ich sie nicht aufging. Ahh, eine Klingel zu meiner Rechten. Faszination Technik.<\/p>\n<p>In der &#8222;Lobby&#8220; des Webdesignerb\u00fcros befindet man sich ein einer Wabernden Suppe aus Testosterond\u00fcnsten und schlechtem Einrichtungsgeschmack. So ist der komplette Raum abgedunkelt, keine Fenster. Alles ist entwerder aus Chrom oder schwarz oder ein M\u00e4nnerspielzeug. So tummeln sich zwischen erschreckend \u00fcberlebensgro\u00dfen Metall-&#8222;Kunstwerken&#8220; ein Kickertisch und eine Carrera-Bahn. Eine einsame Frau sitzt hinter dem Tresen und leitet mich die Treppe hinauf in das B\u00fcro der krativen K\u00f6pfe. Ich meinte einen Hauch von Depression in ihren Augen ausgemacht zu haben. Wen wunderts.<\/p>\n<p>Nachdem ich  mich gefreut hatte eine Frau zu sein und einen gewissen Sinn f\u00fcr stilvolle Einrichtung schon von Geburt an inne zu haben, stieg ich mit der Grazie einer Sophia Loren die Treppe empor und fand mich in einem Gro\u00dfraumb\u00fcro wieder, das gerade zu nach Testosteron stank. Hinter gesch\u00e4tzten 87.395 Rechnern sa\u00dfen gesch\u00e4tzte 15 M\u00e4nner vor grau-blau get\u00fcnchten W\u00e4nden und lugten verschmitzt hinter ihren Monitoren vor. Ja, eine Frau betritt den Raum. Ein Wesen mit Br\u00fcsten und einem Unterus. Ich kam mir vor wie eine Milka-Kuh am Strand von Barbados. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich keinerlei \u00c4hnlichkeit mit einem Lilafarbenen Rindvieh habe, aber der Vergleich erschien mir passend. Zumal die Wand von dem Abbild einer \u00dcberlebensgro\u00dfen Kuh in erschreckend grellem Gelb entstellt wurde.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu der jungen, dynamischen Belegschaft. Man pflegt gar sehr krativ zu sein und wichtig auszusehn hinter seinen Monitoren und statt zu arbeiten schaut man sich entweder die FHM-Girls an oder gibt seine Fu\u00dfballwetten bei bekannten Online-Portalen ab. Es mag auch tats\u00e4chlich jemanden geben der etwas sinnvolles tut. So mein Exfreund, der etwas entr\u00fcstet und peinlich ber\u00fchrt dreinschaute als ich ihm seine Architekturzeitschrift und seinen Schl\u00fcssel vor die Nase hielt. Kichernde Jungs zu meiner Rechten. Kehlig lachender Chauvi-Chef auf einer Empore.<\/p>\n<p>Flucht ins Freie. Tiiieeeef durchatmen und wohlf\u00fchlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich diese Woche zum ersten Mal in die dunklen B\u00fcrogem\u00e4uer der Firma meines Exfreundes getraut. Wer das jetzt f\u00fcr ungew\u00f6hnlich h\u00e4lt, dem sei gesagt, dass ich ihm einen Schl\u00fcssel vorbeibringen musste. Also nicht irgendein Schl\u00fcssel, sondern den von seiner Firma. Hat er n\u00e4mlich vegressen. 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