Frankfurt – Kiew … did it! (fast)

Okay okay, ich geb’s zu: So richtig bis nach Kiew bin ich nicht gekommen. Aber bis zum Flughafen Boryspil etwa 40 Minuten südöstlich der Ukrainischen Hauptstadt. Im beschaulichen Odessa hat’s mir einfach zu gut gefallen, als dass ich mir danach eine Metropole wie Kiew „antun“ wollte.

Das war’s also: gut 4.000 Kilometer quer durch den Osten – vom Main ans Schwarze Meer. Viel gesehen, viel erlebt, viel Unfug getrieben. Für alle, die es mir nachmachen wollen, gibt es an dieser Stelle – wie üblich – die Reise im Überlick mit Verbindungen, Preisen und Gedöns:

Frankfurt – Zagreb (12h)

Zug: DB/ÖBB
80 EUR (Wenn man früh genug bucht, etwa zwei Monate im Voraus)
Durch Slowenien zu fahren, hat mir besonders gefallen. Gerade bei Dämmerung und Regen. Schaut dort irgendwie so aus als würden hinter jedem Busch zerstückelte Mädchenleichen liegen. Das denke ich mir nicht aus. Das hat wirklich jemand im Zug zu mir gesagt. Hab mich dann mal weggesetzt.

Zagreb – Belgrad (7h)

Zug: Hrvatske željeznice
172 HRK (etwa 23 EUR)
Müllsightseeing entlang der Bahntrasse. Erstaunlich, wie viel Schmodder Menschen auf 400 km verteilen können.

Belgrad – Sofia (9h)

Bus: Niš Express
2830 RSD (etwa 24 EUR)
Der Bus fährt über das Städtchen Niš. Tagsüber sicher hübsch. Nachts um drei mit den ganzen vierschrötigen Verbrechervisagen um einen herum eher gruslig. Zur Sicherheit alle Wertsachen am Körper tragen (inkl. Organspendeausweis) und NICHT einschlafen.

Sofia – Bukarest – Braşov (14h)

Zug: Der an Gleis 1
59 RON (etwa 27 EUR)
Oh Gott, es is so heiß in diesem verdammten Zug!!! Praktisch, wenn man dann ein Abteil quasi für sich allein hat und sich überflüssgem Stoff entledigen kann. Quasi allein bedeutet: Ich habe zeitweilig das Abteil mit einem Singvogel geteilt. Eine Stunde hat es gedauert, den Piepmatz wieder aus dem Fenster zu buxieren bevor er an einem Herzinfarkt kläglich eingeht.

Braşov – Bukarest – Chișinău (16h)

Zug: Alter Sowejetischer Gulag-Zug
157 RON (etwa 35 EUR)
Wie in allen Zügen, mit denen ich durch den Osten gefahren bin, stirbt man auch in diesem an akuter Überhitzung. Auch hier von Vorteil, allein im Schlafwagen zu sein. Das machts zwar nicht kühler, da die Fenster fest verriegelt sind, aber keiner hört mein leises Wimmern. Übrigens: Am Hauptbahnhof in Bukarest gibt’s die verdammt nochmal besten Brezeln der ganze Welt! Knusprig dünn mit Mohn. Dieser Duft aus der Backstube … mmhhhh. Vom Haupteingang in Richtung Gleise gleich auf der rechten Seite.

Chișinău – Odessa (6h)

Bus: Er war rosa und es roch nach Leberwurstbroten
133 MDL (etwa 8 EUR)
Gepäck muss man beim Ticketkaufangeben. Kostet dann entsprechend mehr. Vergisst man das, kann man auch einfach dem Fahrer 10 LEU zustecken. Sein Gemecker muss man dann in Kauf nehmen. Wenn das durch ist, kann man mit ein bisschen Glück und Muse ukrainisch-moldawische Liebespärchen bei ihrer herzzerreißenden Abschiedszeremonie beobachten. Nachdem er dann das dritte Mal wieder aus dem Bus ausgestiegen und zu ihr gerannt ist, wurde es aber dann doch albern.

Odessa – Kiew (8h)

Bus: Autolux
220 UAH (etwa 20 Euro)
Für alle, die nicht wie ich 40 Minuten nach der blauen Tür zum Ticketschalter suchen wollen, nur um endlich zu merken, dass sie die ganze Zeit davor standen: Autolux schreibt man auf Kyrillisch Автолюкс.

Kiew – Frankfurt (4 h inkl. Aufenthalt am äußerst hübschen Flughafen in Riga)

Flug: AirBaltic
80 EUR (+ 50 Euro Gepäckgebühr, weil ich’s natürlich verbaselt hab, mein Gepäck vorher online anzumelden. Hätte vermutlich so und so gekostet. Egal. Trotzdem günstig.)

Unbedingt mitnehmen

– Klopapier (as usual)
– Desinfektionstücher für all die unappetitlichen Bus- und Zugklos, mit denen ihr Bekanntschaft machen werdet
– Das Kyrillische Alphabet oder zumindest einen Basissprachführer Russisch, Ukrainisch und Bulgarisch. In Rumänien kommt man mit Spanisch zwar nicht rum, aber zumindest ist man nicht komplett hilflos.
– Pfefferspray … man weiß ja nie.

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