Vulkan mit Liebeskummer

Mt. Taranaki steht mutterseelenallein im Südwesten der Nordinsel Neuseelands. Das war nicht immer so. Ein gebrochenes Herz hat ihn vor langer Zeit dorthin getrieben. Eine Maori-Mythos.

Als Mt. Taranaki ein junger Mann war lebte er Seite an Seite mit Mt. Tongariro, Mt. Tauhara und Mt. Putauaki in der Mitte der Nordinsel Neuseelands. Sie waren kriegerische, ungestüme Berge, immer im Wettkampf, wer von ihnen der stärkste und klügste sei.

Mit ihnen wuchs auch der jungfräuliche Berg Pihanga auf. Wunderschön war sie. Im ersten Licht des Tages schimmerte sie und glühte golden, wenn die letzten Sonnenstrahlen sie küssten. Alle waren sie verliebt in Pihanga und buhlten um ihr Herz: „Pihanga“, säuselte Taranaki, „du bist so schön und ich liebe dich. Heirate mich und wir werden gemeinsam mit unserer Stärke und Schönheit über das Land herrschen.“ Pihanga ließ sich von seinem Süßholzgeraspel nicht beeindrucken und rief aus, dass nur der Mächtigste sie zur Frau nehmen soll.

Erbitterter Kampf mit traurigem Ende

Der Krieg der Berge dauerte Tage und Nächte, Wochen, Monate und Jahre. Die Erde bebte, der Himmel verfinsterte sich. Die steinernen Krieger sprühten Lava und Asche. Taranaki und Tongario waren es, die bis zum Schluss erbittert um Pihangas Liebe kämpften. Schließlich gewann Tongariro, der Draufgänger, der Beau und der spätere Filmstar, bekannt als „Mt. Doom“ aus Herr der Ringe, sie schöne Pihanga für sich.

Erschöpft und gedemütigt schleppte sich Taranaki zu seinem heutigen Standort im Südwesten der Nordinsel. Auf seinem einsamen Weg grub sich sein massiger Körper tief in die Erde. Taranaki weinte bitterlich um seine verlorene Liebe und seine Tränen füllten den Graben und formten so den Fluss Whanganui.

Noch heute trauert Taranaki und hüllt sich immer dann in Wolken, wenn er seine Tränen zu verbergen sucht. Er ist alt und seine glühende Leidenschaft ist lange verloschen. Funken und Asche hat er zum letzten Mal 1755 versprüht. Das aber kam von den Chinese Takeway, denn Taranaki verträgt keine Gluten mehr. Auch Vulkane gehen mit der Zeit.

Celebrity-Ehe vor dem Aus

Man munkelt, dass die Ehe zwischen Tongario und Pihanga vor dem Aus steht. Die Kinder sind aus dem Haus, der Jüngste Rangitoto lebt vor der Küste Aucklands. Mt. Tongariro ruht sich auf seinem Hollywood-Ruhm aus vergangen Tagen aus und pflegt seine Midlife-Crisis. Immerzu schaut er sich nach jüngeren, heißeren Vulkanen um.

Pihanga indes langweilt sich. Verständlich, wenn man seit Jahrtausenden einfach nur rumsteht. Sie sehnt sich nach ein wenig Aufmerksamkeit. An sonnigen Tagen, wenn die Luft klar ist, dann schaut sie in der Ferne und sieht ihn: Mt. Taranaki, ihren alten Verehrer. Sie fragt sich, was wohl geworden wäre, wenn er und nicht Tongariro den Kampf um ihr Herz gewonnen hätte.

Taranaki schaut jeden einzelnen Tag zu Pihanga hinüber. Doch etwas hat sich verändert in den letzten Jahren. Traurig sieht sie aus, matt und, ja, alt ist sie geworden. In seinen Gedanken bleibt sie immer die junge Schöne Pihanga. Er erhebt sich aus seinem Ohrensessel und kämmt sich das schüttere Haar. Sein Anzug von damals passt ihm noch. Es ist Sommer und die Hortensien blühen in der Ebene. Pihanga hat Blumen immer geliebt.

To be continued …



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