Israel in Superlativen

Wie das so ist mit dem Reisen, man erlebt so viel, trifft so viele Menschen, führt so viele Gespräche und hat zu wenig Zeit und Muse für anderes – das gilt fürs Postkartenschreiben wie fürs Bloggen. Drei Wochen Israel gingen viel zu schnell vorbei und sind nicht annähernd genug für dieses Land – so klein es auch ist (hat etwa die Fläche von Mecklenburg-Vorpommern, inklusive der besetzten Gebieten… also denen von Israel). Die Reise in der Zusamenfassung nach Superlativen.

Das Imposanteste:
PetraDefinitiv Petra! Das liegt zwar in Jordanien und gehört deshalb strenggenommen nicht wirklich zur Israel-Rundreise aber über die Grenze gehuscht ist man ja schnell. Ganz ehrlich: Ich hab so etwas noch nie gesehen. Bauwerke, dutzende Meter hoch, einfach so in Sandstein gehauen; Canyons, die mit denen in Arizona locker mithalten können; Gesichter (achtung Plaittitüde) wie aus 1001 Nacht (tschuldigung, aber es stimmt) und  arge Indiana-Jones-Atmosphäre. Nur saukalt wars und es hat geschneit. In Jordanien. Wie gut, wenn es dann Beduinen gibt, die uns „beautiful women“ an ihr wärmendes Feuer im Beduinencamp laden und Unmengen gegrillte Hähnchen ungefragt in unsere Münder stopfen. Dazu einen bappsüßen Minztee und das arabische Klischee ist perfekt.

 

 

 

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Zu den Bildern aus Petra

Das Leckerste:
HUMUS! Morgens, mittags, abends. Garniert mit kräftigem Olivenöl und frischer Petersilie. Dazu warmes Pitabot. Nuff said. (Oh und die Riesendatteln aus dem Kibbutz En Gedi am toten Meer… boah!)

Das Schmerzlichste:
Bei Wind und Wellen im Toten Meer baden, 30-prozentige Salzlauge ins Auge bekommen und sich die Füße an scharfkantigen Salzbergen blutig kratzen.

Das Atheistischste:
Christliche Mönche in JerusalemAuf der Via Dolorosa in der Alstadt Jerusalems begegnen sich drei Weltreligionen. Der muslimischen Frau mit Kopftuch, die in den kleinen Geschäften ihre Einkäufe erledigt, stolpert ein orthodoxer Jude in schwarzer Tracht und Gebetslocken über die Füße, während eine christliche Reisegrupe aus den USA um die Ecke biegt, die gemeinsam singend ein meterlanges Jesukreuz schultern. Ich hab wirklich versucht, mich religiös zu stimmen, hab in der Grabeskirche in einer ruhigen Nische auf Erleuchtung gewartet… aber nichts. „When you don’t have the itch, you just don’t have it“, hat Libi aus dem Golan ein paar Tage zuvor zu dem Thema gesagt. Stimmt.

 

 

 

 

 

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Zum den Bildern aus Jerusalem

Das Dümmste:
Ein 34-jähriger jüdischer Alphamännchen-Businesskasper mit Profilneurose, der nichts über seine Stadt (Jerusalem) weiß, einem aber trotzdem was zeigen wollte. Im Orthodoxenviertel fällt ihm nichts anderes ein, als darauf hinzuweisen, dass an „Leuten, wie denen“ [den orthodoxen Juden, die vornehmlich dem Torahstudium nachgehen und deshalb von Armeedienst und Steuerlast befreit sind] der israelische Staat krankt und er verstehen könne, warum Hitler damals die Juden umgebracht hat – nämlich wegen „solchen, wie denen“. Meine deutsche, schuldbeladene Identität haben mich daraufhin dazu verleitet, ihn darauf hinzuweisen, dass der verrückte Österreicher nicht nur die religiösen sondern auch ungläubige Juden wie ihn vergast hat, weils damals nämlich wurscht war. Hauptsache weg damit. Daraufhin: Schweigen.

Das Überraschendste:
Schuster in HebronDas Westjordanland ist nicht so elend, die Stimmung dort nicht so düster und die Menschen nicht so militant wie ich glaubte. Es war überraschend ruhig in Betlehem und Hebron, auch wenn mir Hinweise auf den schwelenden Konflikt überall ins Auge stachen. Ja, die Mauer ist gigantisch und ja man sieht israelische Siedlungen und zwar nicht wenige. Einige so groß, dass man Bedenken hat, ob die nicht noch einen Graben in das Gebiet reißen, wenn sie sich weiter ausdehnen. Durch die Hebroner Altstadt patroullieren unabhängige Beobachter aus Europa in dunkelblauen Blousons, die darauf achten, dass die Hausdurchsuchungen der israelischen Armee halbwegs human ablaufen. Und bei jedem Besuch einer Synagoge oder Moschee wird man von fies dreinschauenden israelischen Soldaten unangenehm befragt und gefilzt. Aber sonst: Die Menschen sind freundlich, schenken einem Äpfel und Cola, freuen sich, dass man da ist, machen echt verdammt gutes Baklava und es gibt sehr spannende Gesichter, die sich gerne fotografieren lassen, wenn man nett fragt.

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Zum den Bildern aus  Bethlehem und Hebron

Das Einfachste:
Trampen in den Golan-Höhen. Wartezeit zwischen 0:20 und 1:35 Minuten.

Das Billigste:
Couchsurfen. Bis auf En Gedi am Toten Meer hat das überall in Israel ganz wunderbar geklappt. Und dort auch nur deshalb nicht, weil in der Wüste am tiefsten Punkt der Erde außer Felsen und Salzwasser, Steinböcken, einer Tankstelle und zwei Jugendherbergen einfach nix ist. Ja okay, es gibt einen Kibbutz aber der besteht quasi nur aus einer Dattelplantage und einem sauteuren Hotel.

Das Argentinischste:
Als halbe Argentinierin in einem Land, in dem es von Gauchos nur so wimmelt, hat man’s leicht. Irgendwie findet man überall welche und wenn man dann erzählt, dass man selbst Wurzeln in Südamerika hat, steht einem Israel offen. Plötzlich kommt man in Hostels unter, die eigentlich ausgebucht sind, wird spontan zum Mittagessen eingeladen oder bekommt die Handynummer des Bruders eines Cousins der argentinischen Nachbarin, der eine Käsefabrik bei Jerusalem hat und Leute sucht, die mithelfen. Käse machen in Israel… mhhhhh…

2 thoughts on “Israel in Superlativen

  1. Flo

    Wow, tolle Fotos und fantastische Erlebnisse. Da wird man ja schon neidisch, aber freut mich für dich, dass du so eine eindrucksvolle Reise hattest.. 🙂

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  2. Marianna

    Seh ich genau so. Schöne Zusammenfassung.

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