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Feb 16 10

Mudanza (Vol. 2)

by Pia

Ja, es gibt Gefängnisse, die komfortablere Räume haben. Und doch ist es hier um so viel besser als im vorherigen Zimmer.

Es ist wesentlich billiger. Ich wohne hier nur mit einer statt vorher mit 12 bis 15 Personen. WLAN hab ich dank der freundlichen Unterstützung eines unkomplizierten Mitarbeiters der “Truckmin Mining Services” nebenan auch. Die Toilette hat eine funktionierende Spülung und nicht nur einen Kasten aus dem rund um die Uhr Wasser auf die Fliesen rinnt. Unter der Dusche wird man nicht vom kochend heißen Wasser wie ein Hummer schnell und schmerzvoll gegart. Die Küchenzeile ist keine Rennbahn für Schaben. Und es ist leise. Kein einziger besoffener Franzose, der irrtümlich morgens um 11 glaubt, singen und Gitarre spielen zu können.

Das einzig Doofe: Hier gibt’s keinen Dosenöffner. Jedenfalls kann ich keinen finden. Und das Internet liefert zu dem Thema auch nur bescheidene Tipps. Axt, LKW über die Dose fahren lassen, Polizei rufen. Spaßvögel. Die Polizei is so korrupt, dass die das, wenn überhaupt, nur gegen passendes Trinkgeld machen. Und von LKW-Reifen wird mein Tunfisch auch nicht schmackhafter.

Abgesehen davon gefällt mir die Billig-Kamera immer besser. Macht mangels Qualität ihrerseits und mangels Geduld meinerseits so schön verwackelte Bilder. In Kombination mit dem Babyblau im Bad und dem bröckelnden Putz im Hinterhof sieht das Geknipse so hübsch nach 50er-Jahre-Nostalgie aus. Hach…

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Feb 12 10

La elaboración de planes

by Pia

Der Einfachste Weg wäre: Im März kurz rüber nach Chile, Visum erneuern, ab in den Norden Argentiniens und den “Rest” anschauen. Dann nach Buenos Aires und gemütlich noch zwei, drei Wochen im gemachten Nest bei der Verwandtschaft gammeln. Das letzte Geld im Congo in Rum Sour investieren und Alejandro, dem schönsten Kellner der südlichen Hemisphäre, als Trinkgeld in die Schürze stecken. Dann in den Flieger und ab nach Hause.

So war’s ursprünglich geplant. Könnte man so machen, ist aber unspaßig.

Deshalb sitz ich lieber hier in Mendoza bis spät in der Nacht vorm Laptop und klamüser den kompliziertesten (und billigsten) Weg aus, um möglichst spannend wieder nach Hause zu kommen. Planungsphase hat gerade erst begonnen. Details gibt’s bei Zeiten.

Nur soviel: Es wird ein langer, anstrengender Weg. Ich werde viel im Zeitraffer sehen. Mindestens vier Wochen werde ich kaum schlafen und bei dem knapp bemessenen Budget in der Zeit wenig bis nichts Essen dürfen. Und was danach kommt, wird erst recht kein Kindergeburtstag. Das ist dann aber erst der zweite Teil der Schnapsidee.

So, das dürften genug Cliffhanger sein, um die Leserschaft n bissl bei der Stange zu halten.

Feb 9 10

Bastante embarazadas

by Pia

Unfassbar wie viele dicke Bäuche hier durch die Straßen kugeln. Und alle sind sie jünger als ich!

Ich weiß nicht wie andere meiner Landesgenossen das sehen, aber wäre ich jetzt schwanger, würde ich gepflegt Amoklaufen. Einfach nur, weil ich nicht wüsste, was ich als erstes machen soll: heulen, stricken lernen, Anmeldeformular für den trilingualen Kindergaren googeln?!

Hier macht sicher keiner so wirklich Gedanken. *Plopp* und da ist schon der nächste Erdenbürger. Wie wir den durchbringen bis er auf eigenen finanziellen Beinen stehen soll, ist erstmal wurscht. Schließlich geht man ja mit 21, 22 jeden Tag kellnern und wenn das Kind dann mal so vier ist und gescheit läuft, kann man es ja auch selbst auf Betteltour an die Restauranttische schicken.

Aber vielleicht bin ich da auch einfach zu deutsch-spießig und mach mir zu viele Gedanken. Gedanken, die die demographische Pyramide in Deutschland schon seit Jahren auf ein schmales Fundament stellen. Hier hingegen ist noch alles im Lot: Die Alten schmelzen rechtzeitig und zahlreich in der Hitze Mendozas dahin und die jungen vermehren sich wie die Karnickel. In Argentinien selbst liegt die Geburtenrate bei 16,73 pro 1000 Einwohner (Stand: 2006). Ich hab keine brauchbare Info über speziell Mendoza gefunden (oder war eher zu faul für intensive Recherche in spanischer Lektüre), aber die sprengen hier die Zahl sicher um das vielfache.

Hab mich interessehalber mal erkundigt, ob es hier denn sowas wie sexuelle Aufklärung und Hinweise auf Verhütungsmittel gibt. Als Antwort kam von einem aus Buenos Aires, dass hier doch eine rechte Dorfmentalität herrsche und man sich einfach weniger Gedanken mache. Das hat mir auch ein Mendozino in meinem Alter bestätigt, der sich seit zwei Monaten stolzer Vater eines kleinen Argentiniers nennen darf: “War eine heiße Nacht und da vergisst man schon mal…”

Nein, tut man nich! Siehst ja, was dabei raus kommt. Erst eine heiße Nacht, dann ist das Kind da. Die Eltern streiten, trennen sich. Die Mutter will den Papa wieder zurück (das Kind braucht ja schließlich einen Vater). Sie schickt pausenlos SMS. Was wiederum anderen auf den Wecker geht, die es sich zur (völlig uneigennützigen) Aufgabe gemacht haben, Aufklärungsarbeit zu leisten. Irgendjemand muss es ja machen.

Feb 4 10

Hijo de puta!*

by Pia

Ich jammer ja schon gern. Also wenn das Pialein ein Wehwehchen hat, physisch oder mental, wird sie zum Mann und erzählt möglichst jedem davon. Und das möglichst oft.

Alle Facebook-Freunde wissen jetzt zum Beispiel schon seit einer Woche, dass ich mich bös auf die Fresse gelegt hab hingefallen bin. Und zwar richtig klassisch nachts im Dunkeln auf dem Bürgersteig hängen geblieben und da lag sie dann.

Abschürfungen gab’s keine aber dafür hat der Brustkorb gegen den Oberarm den Kürzeren gezogen und sich etwas weiter nach innen verlagert. Autsch. Als eitles Geschöpf, das ich hin und wieder bin, denkt man im ersten Moment nicht an eine Lungenquetschung, die eventuell eine chronische Bronchitis bis his hin zur Spontan-Tuberkulose bis ans Lebensende zur Folge haben könnte (Konjunktiv! Falls sich jetzt studierte Ärzte zu Wort melden sollten). Sondern daran, dass das jetzt hoffentlich keiner gesehen hat. Aber wer läuft schon abends um 11 in Mendoza an einem einsamen Park vorbei.

Also schnell wieder aufstehen, Rock glattstreichen, kurz hinsetzen, atmen und zumindest den BH wieder dahin schieben, wo er vorher schon keine wirkliche Aufgabe hatte.

Und nun Dinge, die auch nach einer Woche mit angeknaxtem Rippenbogen noch schwerer fallen als sowieso schon:

– lachen
– niesen (ganz böse!)
– husten
– sich auf die Seite drehen
– auf der Seite schlafen
– sich wieder auf den Rücken drehen (auf dem Rücken schlafen geht)
– Menschen auf sich liegen haben
– morgens aufstehen
– mittags aufstehen
– gerade sitzen
– krumm sitzen
– Tabletts mit mehr als 3 Ein-Liter-Flaschen Bier auf dem rechten Arm zu Tischen tragen
– arbeiten als solches…

* schießt einem als Argentinier in solchen Momenten spontan durch den Kopf.

Feb 3 10

Vivir y aprender

by Pia

Was hab ich damals gefeixt. Meinen halben Abiturjahrgang hab ich belächelt, weil den Herren und Damen nichts besseres eingefallen ist, als Lehramt zu studieren. Aus der Schule, in die Schule – wie fad.

Jetzt dauert meine Lehrerkarriere schon drei Wochen und ich muss sagen: Macht durchaus Freude. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nur vier Stunden die Woche gebe und keine pubertierenden Hormonschleudern unterrichte, sondern Erwachsene, die gutes Geld bezahlen, um mein Wissen über die Deutsche Sprache einzusaugen.

Dabei weiß ich eigentlich nix. Also natürlich weiß ich schon alles, aber ich weiß nicht, dass ich es weiß, oder hab vergessen, dass ich es mal wusste und lerne jetzt noch mal, was ich schon kann. Oder so.

Ich wusste zum Beispiel natürlich schon, habe aber wieder vergessen, dass man das Perfekt von Tätigkeitsverben (sehen, kochen, trinken etc.) immer mit “haben” bildet. Dafür aber Verben der Bewegung (kommen, fahren, bleiben etc.) und der Veränderung (werden, sein, sterben) immer mit “sein” . Also quasi: Ich habe gesehen, dass er gestorben ist. Oder weniger makaber: Ich habe gekocht als du gekommen bist.

Oh, oder in der letzten Stunde gelernt: Das Partizip von Verben, die auf -ieren enden, bildet man immer mit -t am Ende. Ich bin fasziniert. Seht ihr. Toll. Und wusstet ihr, dass es zu Wolke und Wind kein Verb gibt? Also weder “wolken”, noch “winden”. “Stürmen” gibt’s indes. Obwohl ich meine, winden im Sinne von stürmen schonmal in einem Gedicht gelesen zu haben. Es windet gar sehr. Egal.

Ich darf natürlich nicht zugeben, dass ich seit gut 15 Jahren nicht mehr über die Deutsche Grammatik nachgedacht habe. Wäre peinlich. Ähnlich peinlich wie dieses fiese Ploppgeräusch, das man hört, wenn man im Sommer mit dem Hintern an einem Plastikstuhl festklebt und dann aufsteht, um was an die Tafel zu schreiben. Das ist mir natürlich nicht passiert. Passiert… passieren… hach toll.

Hier bitte nach Belieben ein geistreiches Zitat und Lobpreisungen zur Deutschen Sprache einfügen.

Jan 29 10

otra vez puedo sacar fotos

by Pia

Ich hab wieder eine Kamera. Ein extrem billiges Ding, von dem der Franzose hier im Haus behauptet, sein Vater hätte die gleiche aber da käme vorne Wasser raus, wenn man auf’s Knöpfchen drückt.

Egal, sie funktioniert irgendwie und hat angeblich sogar acht Megapixel. Als Beweis für die Tauglichkeit mal ein paar wenige Impressionen aus der WG hier. Für mehr reichten die beiden AAA -Batterien nicht, die das Ding betreiben.

Luft...SchreibtischAussichtPICT0012PICT0013PICT0014PICT0015PICT0018PICT0020PICT0001PICT0002PICT0006PICT0008PICT0009PICT0010

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