Estación 3: El Chalten/Fitz Roy

01. Januar 2010

Wenn Schweizer winken, kann man ja gar nicht anders, als sich auf einen Kaffee dazuzusetzen. Besonders wenn man morgens um elf mit 25 Kilo auf dem Buckel durch das kaffigste Andennest schlappt, auf der Suche nach einem Bett für die Nacht.

Kurzum: Das Wetter war schön, die Stimmung euphorisch und die Alpenländler haben mich spontan zum Campen in die Bergen eingeladen. Damit wäre das Bettproblem gelösst gewesen und ich hatte sogar Aussicht auf unterhaltsam zwei Tage.

Es war zwar nachts “hurekalt”, wie der Schweizer sagt, und schlafen war auch nicht, aber Spätnachmittags Wein am Seeufer (“Seewy”) und Gipfelbesteigung morgens um sieben entschädigen doch für einiges.

Und was hier fuer tausende von Euros in Form von Northface-Windbrakern, Salomon-Trekkingschuhen und Canon-Spiegelreflexkameras den Berg hochkraxeln, ist unvorstellbar. Die Touris, zusammengetrieben, ausgeraubt und die Sachen auf dem Schwarzmarkt vertickt und ich haette gut Geld, um noch ein Jahr zu reisen.

Ich unausgestattetes und untrainiertes Weib bin beim Steilanstieg auf den Fitz Roy bisweilen beinahe kaputt gegangen, aber die Blösse konnte ich mir natürlich nicht geben. Wär auch schade gewesen. Hätte einen Bombemaussicht verpasst und will ja auch noch ein bisschen weiterreisen.

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Estaciòn 2: Fin del mundo (Ushuaia)

26. Dezember 2009

Hier in Ushuaia hab ich das Wandern für mich entdeckt. Gibt im Moment nichts aufregenderes als durchs Hochmoor zu stapfen und über morsche Baume und Felsen zu klettern. Immer gespannt, was hinter dem nächsten Hügel kommt. Und gestern eröffnete sich ganz ohne Vorwarnung das:

Laguna Esmeralda

Laguna Esmeralda. Etwa 20 Minuten östlich von Ushuaia. Wir sind etwa eineinhalb Stunden gewandert, um das zu sehn. Als ich den letzten Hügel überquert hatte, musste ich fast weinen. Das Bild wird dem echt nicht gerecht.

“Es liegt etwas in der Luft in Ushuaia. Du fühlst es, wenn du dort bist.”

Klingt kitschig, was die beiden Franzosen in Puerto Madryn gesagt haben, aber es stimmt. Hier ist irgendwas. Vielleicht das Gefühl, am Ende der Welt zu sein. Vielleicht sind es auch einfach die frische Luft, die Berge, die Seen, das Meer und die Märchenwälder, die sich bis zu den verschneiten Gipfeln strecken…

Ushuaia ist keine schöne Stadt. Die Häuser sind schlicht und sehen aus wie aus dem Baukasten. Die Denkmäler sind zu jung, um als Attraktion zu gelten.  Es gibt zu viele Baustellen und es wimmelt vor Touristen. Jedes zweite Geschäft verkauft Trekkingzubehoer. Aber es liegt tatsächlich was in der Luft. In Buenos Aires hab ich mich fehl am Platz gefühlt. Ich war da, aber irgendwie doch nicht. Hier bin ich zum ersten Mal seit langen voll und ganz zufrieden.

Morgen früh geht mein Bus. Schade. Aber ich komm hier her zurück. Irgendwann.

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Zum ganzen Album

Estación numero 1: Puerto Madryn

15. Dezember 2009

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich’s Wetter oder es bleibt wie’s ist. Die alte Bauernweissheit trifft definitiv auf Puerto Madryn zu. Nur, dass ich weder Hähne krähen gehört geschweige denn gesehen hab. Egal… Sonnenstich verursacht Verbal-Dummfug.

Ich wär auf jeden Fall fast im Hagelsturm umgekommen!!! Weil ich mir dachte: “Oh, cool! Der Himmel sieht ja hinter mir viel krasser aus als auf dem Meer. Lass mal hinlaufen”. (So viel zu “Guck-in-die-Luft” wie ich unlängst bezeichnet wurde. Schönen Gruss an daheim). In diesem Fall hilfts auch wenig, hinter einem kniehohen Busch Schutz zu suchen während es waagrecht hagelt. Regenjacke leistet aber gute Dienste. Und die Wahl eine rote zu kaufen, erwies sich auch als sehr gute Idee. Da wird man nämlich von Autofahrern gesehen, wenn die Welt untergeht und freundlicherweise die 15 Kilometer zurück in die Stadt genommen.

Puerto Madryn ist ein nettes Städchen. Die Landschaft erinnert ein wenig an Sylt nur ohne Gosch-Feinkost und Segelschuhe. Alles ein wenig normaler hier. Am Strand stehen gelblackierte Öltonnen, wie sie Obdachlose zum Feuerchenmachen nutzen. Kinder rennen entweder naggisch rum oder versuchen die ganze Zeit ihre Hose festzuhalten, die eh auf Halbacht häng. Und Hunde kacken in den Sand. Aber ich mags. Perfekt zum gammeln und rösten lassen.

Ansonsten hab ich die Fauna (Seeelefant, Guanaco, Pinguin und Co.) hier genossen und ganz tourilike Whalewatching gemacht. Voll fein. Ein von mir gedrehtes, ganz schlechtes, weil verwackeltes und viel zu langes Video von einer Walkuh mit Kalb gibts hier. Der Rest in Bildern. Ausser meiner sonnenverbrannten Pelle. Die muss wirklich keiner sehn.

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Me voy

11. Dezember 2009

So, Ticket ist gekauft, Rucksack gepackt. Ich verlass endlich die laute, stinkige Stadt und fahr dahin wo es viel, viel frische Luft gibt.

Zu Eurer rechten seht ihr meine Reiseroute. Die gelbmarkierten Orte sind meine Zwischenstopps, wo ich ein paar Tage bleiben werde. Ansonsten wird alles in 20-Stunden-Trips im Bus abgefahren. Die Karte ist auch voll statisch absolut garnicht interaktiv, da ich die Routenfunktion bei Google-Maps irgendwie… naja egal.

Wie weit ich’s wirklich mit meinem Geld schaff und wie lang ich unterwegs bin, weiß ich noch nicht. Kann auch sein, dass ich spontan so aus dem Bus spring und fortan als Einsiedler in den Anden lebe. Oder die Route ändere und stattdessen nach Tokio fliege oder was weiß ich. Aber im Idealfall wird das so:

Buenos Aires
Peninsula Valdés
Ushuaia
El Calafate
El Chalten
San Carlos de Bariloche
Neuquén
Mendoza
Santiago de Chile
Córdoba
Salta
Salar de Uyuni (Bolivien)
Corrientes
Buenos Aires

Ganz sicher ist der erste Stopp in Puerto-Madryn, Pinguine und Seeelefanten gucken und dann über Weihnachten und vielleicht Neujahr nach Ushaia ganz im Süden. Bariloche spar ich mir eventuell, weil ich a) schon diverse Male dort war und b) ja, muss nicht sein.

Buen provecho!

08. Dezember 2009

So, am Freitag verlass ich endlich die Stadt und reise rum, bis mir das Geld ausgeht. Die zehn Wochen hier in Buenos Aires waren sehr spaßig. Ne Menge Leute getroffen und (fast wichtiger) soooo viel gutes Essen weggefuttert. Hab mir mal ein bisschen Arbeit gemacht und eine Google-Map mit allen Orten erstellt, die schuld daran sind, dass ich meine Hose nicht mehr zukrieg. Also, schon aber aus dem, was da oben am Bund rausquillt, kann man gut und gerne noch eine Argentinierin machen. Zwar nur ne kleine, zierliche, aber würde reichen.

Also dann: Buen provecho!
Buenos Aires für Verfressene auf einer größeren Karte anzeigen

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