Archive for month: August, 2008

She said: Sonntag

Sonntag, Sonne scheint, Freunde sind hier, ich hab noch zwei Tage Urlaub, Brotzeit für den Biergarten steht im Kühlschrank und wenn ich dann noch geduscht hab, wirds echt ein feiner Tag!

Und dazu dieser Ohrwurm:


Hey Gravitiy – Risen (She said)

What do you do after studying?

Gerade hat der Reader ein sehr feines Projekt ausgespuckt: vier Minuten Musikvideo ohne einen einzigen Schnitt, produziert von der Hochschule Furtwangen.


Keine Ahnung wo Furtwangen ist (ja ok, habs doch nachgeschaut… ist im Schwarzwald), aber es gibt offenbar gute Gründe, warum man eher da “was mit Medien” machen sollte, als in Dieburg:

1. Die holzvertäfelten Wände haben echt was. Sind auch irgendwie retro, gehen aber eher so in die 70er-Richtung und strahlen etwas mehr Wärme aus als diese Schlachthaus-Atmosphäre in Dieburg.

2. Die Menschen sind schöner! Als Beispiel sollte man sich mal den Mann ab Sekunde 58 zu Gemüte führen. Und noch viel besser: Den Musikant von Minute 2:25, der seine Gitarre ableckt! Sowas gibts in Dieburg nicht und das ist unfair!!!

3. Die haben Spaß.

Tja doof ne… jetzt wechseln, lohnt nicht mehr.

zu Hause erkannt.

Immer wieder neue Erkenntnisse, wenn man durch halb Deutschland nach Hause fährt. Wär auch schlimm, wenn nicht. Wenn man nichts neues erfährt, ist man entweder tot oder einem ist alles egal. Soweit ist es gottseidank noch nicht.

Aufgefallen:

– Man macht eine unglaublich alberne Figur, wenn man donnerstagmorgens um halb zwölf total overdressed (grauer Hosenanzug… o_O), verkatert und dehydriert (das eine bedingt wohl das andere) in einem dieser noch viel alberneren gelb-umrandeten 4qm-Raucherbereiche am Bahnsteig in Darmstadt steht und verusucht, die Stichflamme aus dem Feuerzeug zu bändigen. Haare haben keinen Schaden genommen. Schade eigentlich… hätte nur besser werden können.

– Es gibt tatsächlich Audio-Masochisten, die noch nicht einmal wissen, dass sie welche sind! Die sind musikalisch so schmerzfrei, dass sie während fünf Stunden Autofahrt den CD Player erst mit den Backstreetboys (aua!), dann mit Jürgen Drews (auauauauaua!), dann mit Otis Redding und die Temtations (ja ok… aber trotzdem: WTF??) und schließlich mit irgend einem Hip-Hop-Gebelle, unter das das Kill-Bill-Theme gelegt wurde, füttern. Und die schämen sich noch nicht mal!

– In der vergangen Woche kam das Thema “Geld oder Geist” auf. Nach den letzten beiden Tagen weiß ich jetzt: Kopf sagt Geld, Bauch (und Herz) sagt Geist. Es ist also noch nicht alles verloren.

– Irgendwie haben sich alle, mit denen man sich zu Grundschulzeiten gegenseitig Zöpfe geflochten hat,  fortgepflanzt und es sitzen kleine, knopfäugige Kinder auf deren Schößen und brabbeln. Mh… (Gefühl: irgendwo zwischen kommt-schon-noch und Torschulsspanik)

– Das Wetter ist immer gleich, wenn man im Sommer nach Hause kommt. Egal woher – Argentinien, USA, Hamburg, München. Wenn man länger als sechs Wochen weg war und wiederkommt, ist der Himmel hellgrau und bedeckt und die Luftfeuchtigkeit liegt irgendwo zwischen Auto-Lüftung-auf-Zirkulation-gestellt-und-zu-viel-geatmet und Regenwald auf Sumatra. Das ist immer so. Homecomingwheather…
Das Wetter macht seltsame Stimmung und Kopfschmerzen und man muss immer erstmal nachmittags schlafen. Und wenn man aufwacht stellt man fest: Zu Hause ändert sich nie was. Und das ist auch gut so.

arschig.

Wann genau fängt man eigentlich an, ein Arschloch zu sein?

Ich glaub, das beginnt schon bei den ganz kleinen Sachen.

Man tigert durch die Wohnung auf der Suche nach Zigaretten, weil man kein Geld für eigene hat (hey, wer ab dem 15. noch nicht pleite ist, ist geizig!). Schließlich stöbert man durch all die kleinen Schubladen im Flur, wird fündig und setzt sich auf die Fensterbank und raucht eine.

Auf der Packung steht: “Für Dich! Als Erinnerung an nette Stunden auf dem Balkon!”

Unser Balkon? Der zugemüllte Teil, den man nur betreten kann, wenn man durch das noch zugemülltere Wohnzimmer mit einer Bergsteigerausrüstung durchquert hat? Da kann man nette Stunden verleben?

Und dann zündet man sich noch eine an… war dann die letzte. Mist.

Oder man plündert den Adventskalender von Geschwistern. Was ich nie machen würde! Hab ja keine Geschwister und Weihnachten ist eh doof. Aber ich kenne Leute, die machen sowas.

Jaja, dann isses nicht mehr weit und man man klaut Babys den Lutscher oder kauft im H&M den hässlichen Fummel in Größe 36, nur damit ihn die dürre Tussi, die schon ganz gierig danach grapscht, nicht bekommt.

Und zu Hause putzt man damit dann das Klo.

falsch verlinkt

Und schon wieder. Schon wieder ist ein unglaublicher guter Song mit einer belanglosen Person verknüpft.

Wie kann man denn bitte in der denkbar unromantischsten Situation an ein solch herzzerreißendes Lied denken?? So etwas passt zu Abenden an denen man sich alleine mit Rotwein betrinkt und so tut als würde man nicht heulen. Oder an denen man zu zweit mit einer nicht ganz so belanglosen Person an einem kitschigen See rumsitzt und einfach lächelnd schweigt.

Es sollte eine Gedankensperre geben. Ein Ventil, das sich schließt, sobald man an tolle Musik denkt, wenn es unangebracht ist. Oder ich sollte einfach gar keine Musik mehr hören. Dann passieren solche Dinge nicht. Ärgerlich…

Derzeitige musikalische Vorlieben sponsored by “Die Lange und die Weile”

Sehr geehrte Frau Heidenreich,

verstehen Sie mich nicht falsch. Ich schätze Sie. Ich kenne sie nicht, aber ich glaube, sie wissen meist von was sie sprechen, wenn sie Bücher kritisieren. Ich weiß nicht über ihre Biographie und war bisher zu faul, diese bei Wikipedia nachzulesen. Ich vermute aber, sie haben irgendwas Geisteswissenschaftliches mit Schwerpunkt Literatur studiert, was sie dazu qualifiziert, Bücher zu empfehlen, oder eben nicht.

Ich war vergangene Woche in einem “Bookstore” – in einem großen Bücherladen am Stachus. Irgendwo in München muss deshalb wohl ein kleiner, hagerer Mann an seinem Bücherladen in einer engen Seitengasse ein Schild mit Aufschrift “Geschlossen, weil bankrott” anbringen.

Ich stehe vor einem Regal zusammen mit 15 anderen, die wie ich versuchen, durch ihre iPod-Kopfhörer wenigstens ein wenig dem Lärm zu entfliehen und sich zu konzentrieren. Dabei stoße ich auf ein Buch: “Hectors Reise”. Das Cover sieht aus wie eines von diesen Kinderbüchern, die ehrgeizige Eltern ihren Kleinen kaufen, wenn sie in die dritte Klasse kommen, damit sie auch zu Hause bilden.

Ein Kinderbuch ist es nicht. Sie werden sich erinnern: Es geht um den Psychiater Hector, der es nicht erträgt, dass er seine Patienten nicht glücklich machen kann. Er begibt sich auf Weltreise und sucht nach dem Glück. Oder besser nach der Formel für Glück.

Auf der Rückseite von Büchern steht meist ein Kommentar, von jemandem der es wissen muss: einem Kulturjournalisten, oder Experten wie Ihnen. Das ist nett vom Verlag, dann kann man das Buch gleich ein wenig einordnen. “Wenn man dieses Buch gelesen hat – ich schwöre es Ihnen – , ist man glücklich”, schreiben Sie über “Hectors Reise”. Toll, dacht ich mir. Glücklich sein, ist gut.

Es tut mir leid, aber was sie da schreiben, stimmt einfach nicht. Hector trägt rund 20 Lektionen zusammen, die Glück definieren. Lektion 1: Vergleiche anstellen, ist ein sicheres Mittel sich das Glück zu vermiesen. 8: Glück, ist mit den Menschen zusammen zu sein, die man liebt. 10 und 13: Glück ist, wenn man eine Beschäftigung hat, die man liebt und anderen nützlich ist. 14: Glücklich ist, wenn man so geliebt wird, wie man eben ist. 15: Glück ist wenn man sich rundherum lebendig fühlt… Um nur die Highlights zu nennen.

Ich habe das Buch heute in einem Rutsch gelesen. Das war leicht, weil das Buch in einer naiven Sprache verfasst ist. Ich bin sogar geneigt den Schreibstil “irgendwie süß” zu nennen. Ich habe also das Buch gelesen und mich danach hundsmiserabel gefühlt. Sie haben mir versichert, dass ich glücklich werde! Ich war aber nicht glücklich! Stattdessen zeigt mir der Autor mit dem Buch nur alle Unzulänglichkeiten auf. Alle Gründe dafür, warum ich unglücklich bin und dass sich daran in naher Zukunft nichts ändern wird!

Sie pauschalisieren. Sie gehen davon aus, dass jeder Mensch glücklich wird, wenn er davon liest wie schlecht es anderen geht und sich dann automatisch dieses “Hach mir gehts ja eigentlich prima”-Gefühl einstellt. Tut es nicht. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
P.

*klack* Hallo, geiles Leben!

Die Entwicklung eines Trends läuft nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Zunächst einmal ist alles doof: Arbeit doof, Studium doof, Girokonto doof, Haare doof, Waage doof, Männer doof.

Und dann geschieht irgendwas – irgendeine Kleinigkeit, von der man nicht mal weiß, dass sie passiert ist. Dann wird alles anders. Als ob jemand einen Schalter umgelegt hat. *klack* Hallo, geiles Leben!

Plötzlich rockt die Arbeit und Texte, die man irgendwie aus dem Ärmel schüttelt, gehen minimalredigiert online. Der Chef schätzt einen und bedankt sich für die Mitarbeit. Das Studium nervt zwar immer noch, aber nur noch ein Semester lang und das Thema für die Diplomarbeit ist auch im Kasten.

Ab Oktober steht ein rentabler Job in Aussicht, mit dem man die Backpacker-Tour durch Argentinien im nächsten Sommer, die noch völlig ungeplant in den Hirnwindungen herumgeistert, bezahlen kann.

Die Haare sind wieder gewachsen und sehen nicht mehr ganz so Alice-im-Wunderland-mäßig aus. Drei Kilo sind auch auf wundersame Weise verschwunden.

Perfektioniert würde das, wenn man an einem sonnigen Sonntagmorgen neben einem Fotomodel mit entsprechend guter Gesichtsbehaarung aufwachte, der sich die Augen reibt und fragt: “Kaffee oder Tee?”

Aber so geil ist das Leben dann doch nicht. War Samstagmorgen, es hat geregnet und es gab entweder Tee oder Wasser. Aber bin eh nicht so der Kaffeetrinker.

*klack* Hallo, geiles Leben!

Menschentrott

Ich will hier nicht über Alltagstrott jammern aber ganz objektiv betrachtet läuft wirklich jeder Tag gleich ab. Am besten kann man das an den Menschen beobachten, die mir jeden Tag begegnen. Ich kenne keinen von ihnen persönlich und doch baue ich eine Verbindung zu ihnen auf. Einfach nur, weil sie jeden Morgen den gleichen Weg haben wie ich. Menschentrott.

Ich gehe in der Regel um fünf vor acht aus dem Haus. Zur gleichen Zeit wie die alte Frau aus dem Erdgeschoss, die mit ihrem nervösen Kläffer ihre Runde macht.

An der Tram-Haltestelle 200 Meter weiter sitzt schon der Glatzkopf mit der Mc-Donalds-Dauerkarte, der mit den Wurstfingern auf seinem iPhone rumpatscht und dabei in etwa so schaut wie der Hund von der Oma zwei Stockwerke unter mir.

Kopfhörer auf und berieseln lassen. Genau drei Minuten lang, dann fährt der weiße Lieferwagen vorbei, aus dem ein ganz nett aussehender Mann etwas zu energisch grinst und winkt.

In der Tram sitze ich dann immer der gleichen abgemagerten Frau gegenüber, die eine leichte Crack-Huren-Aura umgiebt. Ihre türkisblauen Augen schauen immer so sehnsüchtig aus dem Fenster.

Am Stachus steigt die unangenehmste Person zu. Sie ist ungefähr 60, trägt einen Pagenschnitt und eine beige Steppjacke. Ich hab eigentlich nichts gegen alte Frauen und sie setzt sich auch niemals in meine Nähe. Aber die ist hyperaktiv! Braucht vier Versuche bis sie mit der Art, wie sie sitzt, zufrieden ist. Dann zubbelt sie ihren kleinen, braunen Rucksack hinter ihrem Rücken hevor und friemelt an ihrer Fahrkarte herum. Keine Ahnung wo sie aussteigt, aber ich bin mir sicher, dass sie dabei über ihre eigenen Füße fällt.

An der Theatinerstraße ist für mich Endstation und ich muss um diese schlimme Hausecke herum, bei der ich nie weiß, wen ich danach über den Haufen rennen werde. Seh ja nix. Meistens ist es ein mittelalter Geschäftsmann mit Schnauzer, Laptoptasche und Anzug. Stummes Nicken.

Irgendwo zwischen Marienplatz und Sendlinger Straße kommt mir immer dieser eine Typ entgegen, von dem ich glaube, dass es der heimliche Sohn von Lenny Kravitz und Diana Ross ist. Fantastisch große Haare. Alt ist er nicht. 20 schätze ich.

Und dann sitz ich in der Redaktion und sehe für die nächsten 9 Stunden sowieso immer die gleichen Leute. Aber das ist ja nicht ungewöhnlich.

Stockwerkproblem

Ich hab ein Stockwerkproblem. In der Fachsprache “structural level disfunction” genannt.

Wie sich das äußert? Nun, ich war zum Beispiel gerade im dritten Stock und habe laut brüllend und fluchend die Tür hinter mir zugeschlagen. Dann stelle ich unten ungünstigerweise fest, dass ich etwas in der Wohnung oben vergessen habe, gehe die Treppen wieder hinauf und klingel. Mir öffnet seltsamerweise ein kleiner Mann in einem hellblauen Schlafanzug und schaut mich entgeistert an.

“Oh ‘tschuldigung. Sie habe ich gerade nicht angeschrien.”
“Nein.”
“Ich glaub ich muss noch ein Stockwerk weiter hoch.”
“Ja, glaube ich auch.”
“Entschuldigung.”
“Macht nichts… brauchen sie Licht?”
“Nein bloß nicht!!!”
“Ich mach ihnen schnell Licht.”
“NEIN! Bitte!”
(Kopfschütteln seiterseits)

Oder ich komme nach Hause, nestel im dunklen Treppenhaus an meinem Schlüsselbund. Erster Schlüssel… passt nicht. Zweiter… passt auch nicht. Dritter… naja was wohl. Von innen höre ich zaghafte Schritte. Hey, die Mitbewohnerin is wieder da. Bestens.

“Judith? Mach mal auf. Schlüssel is komisch.”
“Hallo?”
“Judith?”
“Hallo?”
“Jaaaahaaaa is ja gut man. Mach mal auf!”
(irgendwer hämmert von innen (!!) an die Tür)
“Öhm, was geht denn mit dir?? Du sollst aufmachen!”
“Wer ist denn da? Was wollen sie?”
(Blick auf die Fahrstuhlanzeige)
“Öhhhh jaa, ich hab mich im Stockwerk geirrt…”
“Was?
“Im Stock-werk ge-irrt! Ent-schldi-gung!”
“Was?”
“Ja egal!”

Vielleicht sollte ich auch einfach mal das Licht anmachen.

katholisch und nass

Bayern ist ja schon irgendwie toll. Die Menschen hier sind so katholisch, dass sie in regelmäßigen Abständen eine Pause vom Beichten und Rosenkranz beten brauchen und Feiertage einrichten, die es sonst nirgends gibt – nicht mal in Baden-Württemberg.

Und mir braucht keiner erzählen, dass die Bayern an Mariää Himmelfahrt (So heißt der Tag heute. Kann mich zwar nicht erinnern, wann eine Maria mit zwei ä in den Himmel gefahren ist, aber geht mich auch nix an.) in die Kirche gehen. Gerade dann nicht, wenn es so regnet wie heute. Die sitzen alle zu Hause, schauen Olympia oder spielen Malefiz und Mensch ärgere dich nicht.

So wie ich. Nur dass mich Olympia erst interessiert, wenn die Leichtathleten antreten. Und im Übrigen braucht man für Brettspiele mindestens zwei Menschen. Sonst ist das eine eher fade Angelegenheit. Und da sich in der Wohnung übers Wochenende außer mir nur fünf Lebensmittelmotten befinden, fällt das glaube ich auch flach. Die sind eh irgendwie ungesprächig.

Hach ja, verregnte Wochenenden sind super. Endlich kann man mit gutem Gewissen einfach nichts tun. Der Stress, dass man UNBEDINGT vor die Tür muss, weil man DEM Mann fürs Leben begegnen könnte, fällt auch weg. Der sitzt bei so einem Wetter im besten Fall auch in seiner Wohnung und beobachtet Ungeziefer.