Hijo de puta!*

04. Februar 2010

Ich jammer ja schon gern. Also wenn das Pialein ein Wehwehchen hat, physisch oder mental, wird sie zum Mann und erzählt möglichst jedem davon. Und das möglichst oft.

Alle Facebook-Freunde wissen jetzt zum Beispiel schon seit einer Woche, dass ich mich bös auf die Fresse gelegt hab hingefallen bin. Und zwar richtig klassisch nachts im Dunkeln auf dem Bürgersteig hängen geblieben und da lag sie dann.

Abschürfungen gab’s keine aber dafür hat der Brustkorb gegen den Oberarm den Kürzeren gezogen und sich etwas weiter nach innen verlagert. Autsch. Als eitles Geschöpf, das ich hin und wieder bin, denkt man im ersten Moment nicht an eine Lungenquetschung, die eventuell eine chronische Bronchitis bis his hin zur Spontan-Tuberkulose bis ans Lebensende zur Folge haben könnte (Konjunktiv! Falls sich jetzt studierte Ärzte zu Wort melden sollten). Sondern daran, dass das jetzt hoffentlich keiner gesehen hat. Aber wer läuft schon abends um 11 in Mendoza an einem einsamen Park vorbei.

Also schnell wieder aufstehen, Rock glattstreichen, kurz hinsetzen, atmen und zumindest den BH wieder dahin schieben, wo er vorher schon keine wirkliche Aufgabe hatte.

Und nun Dinge, die auch nach einer Woche mit angeknaxtem Rippenbogen noch schwerer fallen als sowieso schon:

– lachen
– niesen (ganz böse!)
– husten
– sich auf die Seite drehen
– auf der Seite schlafen
– sich wieder auf den Rücken drehen (auf dem Rücken schlafen geht)
– Menschen auf sich liegen haben
– morgens aufstehen
– mittags aufstehen
– gerade sitzen
– krumm sitzen
– Tabletts mit mehr als 3 Ein-Liter-Flaschen Bier auf dem rechten Arm zu Tischen tragen
– arbeiten als solches…

* schießt einem als Argentinier in solchen Momenten spontan durch den Kopf.

Vivir y aprender

03. Februar 2010

Was hab ich damals gefeixt. Meinen halben Abiturjahrgang hab ich belächelt, weil den Herren und Damen nichts besseres eingefallen ist, als Lehramt zu studieren. Aus der Schule, in die Schule – wie fad.

Jetzt dauert meine Lehrerkarriere schon drei Wochen und ich muss sagen: Macht durchaus Freude. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nur vier Stunden die Woche gebe und keine pubertierenden Hormonschleudern unterrichte, sondern Erwachsene, die gutes Geld bezahlen, um mein Wissen über die Deutsche Sprache einzusaugen.

Dabei weiß ich eigentlich nix. Also natürlich weiß ich schon alles, aber ich weiß nicht, dass ich es weiß, oder hab vergessen, dass ich es mal wusste und lerne jetzt noch mal, was ich schon kann. Oder so.

Ich wusste zum Beispiel natürlich schon, habe aber wieder vergessen, dass man das Perfekt von Tätigkeitsverben (sehen, kochen, trinken etc.) immer mit “haben” bildet. Dafür aber Verben der Bewegung (kommen, fahren, bleiben etc.) und der Veränderung (werden, sein, sterben) immer mit “sein” . Also quasi: Ich habe gesehen, dass er gestorben ist. Oder weniger makaber: Ich habe gekocht als du gekommen bist.

Oh, oder in der letzten Stunde gelernt: Das Partizip von Verben, die auf -ieren enden, bildet man immer mit -t am Ende. Ich bin fasziniert. Seht ihr. Toll. Und wusstet ihr, dass es zu Wolke und Wind kein Verb gibt? Also weder “wolken”, noch “winden”. “Stürmen” gibt’s indes. Obwohl ich meine, winden im Sinne von stürmen schonmal in einem Gedicht gelesen zu haben. Es windet gar sehr. Egal.

Ich darf natürlich nicht zugeben, dass ich seit gut 15 Jahren nicht mehr über die Deutsche Grammatik nachgedacht habe. Wäre peinlich. Ähnlich peinlich wie dieses fiese Ploppgeräusch, das man hört, wenn man im Sommer mit dem Hintern an einem Plastikstuhl festklebt und dann aufsteht, um was an die Tafel zu schreiben. Das ist mir natürlich nicht passiert. Passiert… passieren… hach toll.

Hier bitte nach Belieben ein geistreiches Zitat und Lobpreisungen zur Deutschen Sprache einfügen.

otra vez puedo sacar fotos

29. Januar 2010

Ich hab wieder eine Kamera. Ein extrem billiges Ding, von dem der Franzose hier im Haus behauptet, sein Vater hätte die gleiche aber da käme vorne Wasser raus, wenn man auf’s Knöpfchen drückt.

Egal, sie funktioniert irgendwie und hat angeblich sogar acht Megapixel. Als Beweis für die Tauglichkeit mal ein paar wenige Impressionen aus der WG hier. Für mehr reichten die beiden AAA -Batterien nicht, die das Ding betreiben.

Luft...SchreibtischAussichtPICT0012PICT0013PICT0014PICT0015PICT0018PICT0020PICT0001PICT0002PICT0006PICT0008PICT0009PICT0010

chicos exaltados

28. Januar 2010

Die Argentinischen Männer sind ja schon niedlich… mit ihren kurzen Beinen, den großen Augen und dem Komplimente-Tourette. Besonders entzückend sind sie, wenn sie einem drei Blocks hinterherrennen, schwitzend und keuchend neben einem zum Stehen kommen und faseln.

Versteht man natürlich im ersten Moment nicht. Also, Kopfhörer aus den Ohren und konzentriert zuhören.
Seine Nummer will er mir geben und ob ich denn morgen um die gleiche Zeit wieder an seiner Bäckerei vorbei gehen würde und ob er mich nach Hause begleiten dürfe.

Dann muss man abwägen. Ist ja schon eine Aktion, die einem in Deutschland nicht passieren würde: Ein Sprint über 300 Meter bei 40 Grad im Schatten, nur um einen Kontakt herzustellen. Pluspunkt. Das Gesicht ist ganz niedlich. Pluspunkt. Der gelbe Zahnbelag und der Geruch, den das verklebte T-Shirt verströmt, sind es nicht. Minuspunkt. Und sowieso: Einmeterfünfundsiebzig. Hm.

Und wie würde das denn weitergehen? Mit selbstverständlichem Desinteresse an jedem, der Interesse zeigt, wäre mans nach einer Woche leid. Man müsste sich eine Ausrede überlegen, warum man nie mehr durch seine Straße gehen kann, obwohl sie auf dem direkten Weg zur Wohnung liegt. Man würde sich dauernd bei der Arbeit umschauen, ob er gerade vorbei läuft und es entstünden peinliche Situationen des Schweigens. Enttäuschte Blicke. Scham über die eigene Arschigkeit.

Über das alles denkt man nach, während er immer noch keuchend faselt und sich umständlich die teigverklebten Hände an seinem speckigen T-Shirt abwischt. Also gut. Nummer darfst du mir geben. So als Belohnung für die Mühe. Nach Hause geh ich allein und morgen um die Zeit bin ich ganz woanders.

Ja, ich sollte Anti-Beziehungsratgeber schreiben: “Wie man es mit überzogenen Ansprüchen und Arroganz schafft, jahrelang Single zu bleiben.” Oder so.

Que carlor!!!

26. Januar 2010

Ich weiß, dass in Deutschland gerade -273° herrschen, dass die Teilchenbewegung zum Erliegen gekommen ist und dass die Menschen zwischen Wärmflaschen und Pfefferminztee ums nackte Überleben kämpfen. Aber hier isses so verdammt heiß!

Als kleine Aussicht auf die nächsten Tage:

Hier ist es so heiß, dass Menschen nachts um zwei in Brunnen baden.
so heiß, dass man unter der eiskalten Dusche schwitzt
so heiß, dass Polizisten knappe Shorts zu den Springerstiefeln tragen (und ja, auch die dicken)
so heiß, dass Empanadas aus der Kühlbox angeboten werden
so heiß, dass das Eis im Restaurant ausgeht
so heiß, dass man nur schlafen kann, wenn der Ventilator die ganze Nacht auf Stufe fünf steht und den Lärm dann einfach ignoriert.
so heiß, dass nicht mal Mücken Lust haben, zu stechen
so heiß, dass Menschen gewaltsam aus Supermärkten gezerrt werden, weil sie sonst den ganzen Tag an der kalten Gemüsetheke verbringen würden.
so heiß, dass die Stadt zwischen ein und fünf Uhr Nachmittags wie ausgestorben ist.
so heiß, dass sich die paar Menschen auf der Gasse an Häuserwänden entlangdrücken, um das bisschen Schatten zu nutzen.
So heiß, dass die gerade gekauften Bananen zwischen Gemüseladen und Wohnung braun und matschig werden.

Und hier haben immer noch Menschen lange Hosen an!

Egal. Ich wollts ja nicht anders.

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