bulkr

04. März 2010

Normalerweise mach ich sowas nicht. Wir sind hier ja nicht bei mashable oder wired. Aber heute will ich mich mal in eine neues Metier wagen: Ich empfehle nützliche Software. Jaha, ganz genau! Keine Angst, kommt nicht wieder vor. Aber es ist mir ein Anliegen, meine Entdeckung zu teilen.

Zur Sache: Bisweilen habe ich während der Reise ohne Laptop meine Bilder direkt von der SD-Karte über die flickr-Website in meinen Account geladen. Die Bilder sind also online und verfügbar. Ich würde aber dennoch gerne ein Backup der Alben auf meine Platte ziehen. Ich erstelle nunmal liebend gerne Ordner und sortier unheimlich gern Zeug. Wer mich kennt, weiß, von was ich spreche. Egal.

Leider ist flickr so schäbig und man kann nur Einzelbilder runterladen. Das ist bei mehreren hundert Bildern sehr mühsam und wirkt sich spätestens nach dem fünfzehnten negativ auf das vegetative Nervensystem aus.

Also hab ich die letzten Wochen damit verbracht, ein Tool zu suchen, mit dem ich ganze Alben bequem von flickr auf meinen Rechner laden kann. Ich hab nicht wörtlich pausenlos gesucht. Aber alle drei Tage so eine Minute. Wär sonst schneller drauf gekommen.

Wie auch immer… bei der Suche bin ich über so einige Programme gestolpert, hab installiert, gestartet, mich geärgert und wieder gelöscht. Ums kurz zu machen: flickrEdit, flickrBackup und PhotoGrabbr sind ganz großer Mist. (Ganz besonders PhotoGrabbr!!!)

Das Tool zu use ist bulkr. Übersichtlich, funktioniert und – wichtig für Mac-Fuzzies wie mich: sieht gut aus. Hier schön erklärt von einem, der sich Mühe gemacht (und das Ding wahrscheinlich mitprogrammiert) hat. Mit Bildchen und so.

Nochmal: BULKR! Bequem ganze Sets von flickr laden und nie mehr suffrn.

Hehe… okay der war billig.

barrera lingüística

27. Februar 2010

Da ist dieser Kollege. Und ja, ich weiß, dass man über die Arbeit nicht bloggt. Aber das ist Kellnern in einer Tourifalle in Mendoza. Eine Karriere und Bindung fürs Leben versau ich mir damit nicht.

Also: Da ist dieser Kollege. Trudelt als letzter zur Schicht ein und geht dafür als erster. Hütet sich davor, Arbeiten zu verrichten, die primär erstmal nichts mit Geld verdienen zutun haben. So was wie Bestecke polieren oder Obstsalat schnibbeln. Kurzum: Er kommt nur, um an seinen fünf bis sieben Tischen zu verkaufen. Erwarten braucht man von ihm nichts. Da wir auf Kommission arbeiten, ist Verkaufen ein wesentlicher Punkt der Arbeit. Wer kein Geld reinbringt, bekommt auch keins am Ende des Abends. Ist also okay, so viel Geld wie möglich machen zu wollen. Teamgeist wäre aber trotzdem schön.

Wehe, wenn man zum Beispiel einen der eigenen Tische ein wenig in Richtung seiner Sektion schiebt, weil man seinen Gästen nicht auf Dauer zumuten will, von dreckigen Tauben zugeschissen zu werden, die im Baum darüber sitzen. Dann wird beim Chef gepetzt und rumgemosert bis man den Tisch geknickt wieder an den alten Platz schiebt. Bisschen Vogelschiss auf der Pizza, halb so wild. “Dreck git Speck”, wie man in Südhessen sagt.

Oder gestern Abend ist er in den Keller zur Kühlbox, holt zwei (!) Eiswürfel für die Cola, die er an Tisch 5.2 tragen sollte. Statt einfach eine Tüte Eis für alle mitzunehmen, stiefelt er seelenruhig mit seinem Glas und seinen zwei Eiswürfeln wieder hoch.

Und ja, mir ist der Kragen geplatzt. Und ja, ich habe zum ersten Mal rumgeschrien. Weil das nur ein kleines Beispiel für Arschigkeit am Arbeitsplatz ist und weil ich nicht die einzige bin, der es auf den Sack geht, wie sich der Mensch verhält.

Das einzige, was zurück kam, war Gelächter. Er hat sich über mich lustig gemacht, weil ich mich auf Spanisch nicht gut genug ausdrücken kann, um jemanden gepflegt rund zu machen. Mich hat ein 36-Jähriger ausgelacht, der sein Leben nichts anderes mehr machen wird, als Essen von einem Schacht in einer Restaurantküche an hungrige, unfreundliche Mäuler zu tragen; der nicht weiß, was es heißt, nicht die richtigen Worte finden zu können, weil er nie versucht hat, eine andere Sprache zu lernen. Er hat mich ausgelacht, weil ich den Mut habe, mir in einer Sprache Gehör zu verschaffen, die ich erst seit fünf Monaten lerne.

Ich arbeite nicht nur, um Geld zu verdienen. Ich seh’ die 40 Stunden am Wochenende auch als Chance, mein Spanisch aufzubessern. Tägliche Übung in Alltagssituationen. Und ich will verdammt noch mal nicht ausgelacht werden, wenn es ab und an holpert!!

Das ist frustrierend. Das tut weh. Weil es mir zeigt, dass ich zwar hier bin aber nicht hier her gehöre.

Peligro

26. Februar 2010

Es ist gefährlich da draußen.

Es trug sich zu an einem für die Gegend recht kühlen Donnerstagabend. Sie lief durch eine an sich sichere Gegend im Westen von Mendoza, als ein Frau mittleren Alters vor ihr sich umdrehte, zusammenzuckte und lächelnd mit den Worten “Gott sei Dank, es ist eine Frau” zu stehen kam. Das sollte nur der Anfang eines eher denkwürdigen Abends sein.

Gemeinsam gingen Sie die Straße entlang. Zwei Kolleginnen an ihrem freien Abend. Die Straßenlaternen leuchteten spärlich den Weg die Allee entlang. Sie tauschten den neusten Arbeits-Tratsch aus, als ein Mann ihnen hinterher ging. “Ich hab euch englisch sprechen hören” sagte er und zog hastig an seiner Zigarette.

In seiner Muttersprache wollte er plaudern, solange bis seine Frau nach Hause kommt. Wo sie her kämen und wie lang sie schon hier seien, wollte er wissen. Es sei gefährlich um die Zeit für zwei junge Frauen so allein. Rauch quoll zwischen seinen Lippen hervor und er keuchte als er seine Geschichte erzähle.

Rocky, Deutsch-Pole. Sein Leben verbrachte er in Chicago, arbeite als hohes Tier zusammen mit engen Vertrauten von Obama. Heiratete eine argentinische Itaienerin und nach Jahren in der Toskana hat es ihn hierher verschlagen. Er spricht Deutsch – fast fehlerfrei. Das fahle Licht glänzt auf seiner Halbglatze.

Es hätten sich Dinge zugetragen in den letzten zwei Wochen. Frauen wurden im Auto überfallen. Angesehene Anwälte hat man in ihren Wohnungen ausgeraubt. Mendoza, die als eine der sichersten Städte in Argentinien gilt, rück in ein diffuses, gefährliches Licht.

Seine Frau, eine kleine Dunkelhaarige in ihren Vierzigern, stößt zu ihnen und erzählt exakt das Gleiche, was der Alte mit dem Bierbauch und dem Zwiebelmundgeruch schon berichtet hat: Raubüberfälle und zwielichtige Gestalten an allen Ecken. Sie kommt gerade von einem Treffen der Zeugen Jehovas und ist ohne Zweifel betrunken. Ihr Augen sind trübe und sie hört nicht auf, zu quasseln.

Die beiden Kolleginnen wollen gehen, verpassen aber jeden Augenblick die Unterhaltung galant zu beenden. Es wird immer später. Die Minuten verstreichen und kein Ende in Sicht. Essen müssen sie, sagt die eine. Hunger haben sie, die andere. Keine Chance. Als Halbitalienerin ist die Zeugin mit Essen genau in ihrem Metier.

Ob sie denn Spaghetti zu Hause habe. Und Tomaten? Knoblauch? Jajaja. Fein schneiden müsste man alles. Nudeln al dente kochen und dann einfach zusammen schmeißen. Zehn Minuten und man hat ein leckeres Pastagericht. Ach was. Sie gibt ihnen Nudeln mit. Hier in Argentinien seien die Nudeln ja nichts. Alle mit Ei. Basilikum habe sie leider keins. Aber Petersilie und Peperoni. Getrocknet. Danke.

Es sind nicht die jungen Kerls, mit den tief ins Gesicht gezogenen Kapuzen, die jungen Frauen abends um elf in Mendoza Angst machen sollten. Es sind betrunkene Jehovas Zeugen mit Mundgeruch, die einfach nur reden wollen, vor denen man sich fürchten muss. Normalerweise klingeln die und man kann sich tot stellen. Aber so auf offener Straße. Keine Chance.

Mendozinos

24. Februar 2010

Wenn man 40 Stunden die Woche damit verbringt, zwischen einer genau aufgeteilten Sektion von Tischen hin und her zu rennen, bildet man so etwas wie eine soziale Blase um sein Fleckchen “Workspace”. Menschen, die immer wiederkehren; zu denen man eine wie auch immer geartete Beziehung aufbaut. Diese fünf Charaktere sind mir in den letzten fünf Wochen besonders ins Auge gestochen:

The Salesman
Er kommt nur freitags. Mit blendend weißem Lächeln offeriert er gebrannte DVDs aller Genre. Geübt öffnet er sein Köfferchen ohne dabei Getränke und Essen von den Tischen zu fegen und plaudert. Manchmal fünf, manchmal zehn Minuten. Immer gerade so lang, dass das Essen genießbar warm bleibt und die Gäste trotzdem Trinkgeld geben. Der Kaufmann pflegt sein Image. Frei nach dem Motto: überzeugendes Auftreten bei völliger Überflüssigkeit.

Der Minnesänger
Jeden Tag dasselbe Lied!!! Seit verdammt noch mal zehn langen Jahren spielt er auf seiner Gitarre jeden Tag ein und dieselbe Melodie!!! Hab einen Kollegen gefragt, der das seitdem jeden Tag erträgt. Ich hör das “ba dam ba dam badambadam” Gott sei Dank nur vier Abende die Woche. Aber das reicht, um in Tagträumen zu versinken, in denen ich dem alten Mann in seinen Hochwasserhosen mit seiner eigenen Gitarre den Hintern versohle.

Die Diva
Sie trägt bunte Fummel und enge weiße Jeans. Das Make-up sitzt und vertuscht die 53, die sie mindestens auf dem Buckel hat. Ihr blondiertes Latina-Haar sitzt perfekt und wenn sie läuft klackern ihre Absätze im Takt zum Rasseln ihrer riesigen Ohrringe. Sie hat Stil. Irgendwie. Leider ist sie permanent hackedicht und schreit jeden an, der ihr nicht innerhalb von zwei Minuten keinen Drink bringt, der aussieht wie ein mit Schlagsahne garnierter Genversuch. Ich mag sie. Kann aber auch daran liegen, dass ich nie das Vergnügen hatte, sie bedienen zu müssen.

Der Nichtsnutz
Sergio lungert rum. Meistens am Spätnachmittag kommt er im Restaurant vorbei, begrüßt jede Kellnerin mit Wangenkuss und “Hola hermosa!”, will ein Glas Wasser und fängt dann an irgendwas auf Spanisch zu rappen. Dann geht er wieder. Er nennt sich John Fuss und auf die Frage, was er denn eigentlich so macht, sagt er: Er sei die neue Generation der Nichtsmacher. Aber er will mal zur Polizei. Immerhin ein anständiger Plan für seine 19 Jahre.

Das ES
Einen Cortado (Espresso mit einem Schuss Milch) ein Medialuna und danach eine Sprite und so sitzt er (bzw. sie) dann den ganzen Abend. Er (bzw. sie) ist ein Klotz von einer Person, trägt am liebsten lila Tanktops und einen fliederfarbenen Lei um den Hals. Er (bzw. sie) hat exakt die gleiche Frisur wie Javier Bardem in “No Country for old men” und wenn es dann mal so elf ist, packt er sein Schminkköfferchen aus und zieht den Lipgloss nach. Und dann geht’s auf die Piste. Der ersten Abend als ich ihn (bzw. sie) im Minirock davon stapfen sah, war ich noch irritiert. Mittlerweile hab ich mich an den Anblick gewöhnt.

Mudanza (Vol. 2)

16. Februar 2010

Ja, es gibt Gefängnisse, die komfortablere Räume haben. Und doch ist es hier um so viel besser als im vorherigen Zimmer.

Es ist wesentlich billiger. Ich wohne hier nur mit einer statt vorher mit 12 bis 15 Personen. WLAN hab ich dank der freundlichen Unterstützung eines unkomplizierten Mitarbeiters der “Truckmin Mining Services” nebenan auch. Die Toilette hat eine funktionierende Spülung und nicht nur einen Kasten aus dem rund um die Uhr Wasser auf die Fliesen rinnt. Unter der Dusche wird man nicht vom kochend heißen Wasser wie ein Hummer schnell und schmerzvoll gegart. Die Küchenzeile ist keine Rennbahn für Schaben. Und es ist leise. Kein einziger besoffener Franzose, der irrtümlich morgens um 11 glaubt, singen und Gitarre spielen zu können.

Das einzig Doofe: Hier gibt’s keinen Dosenöffner. Jedenfalls kann ich keinen finden. Und das Internet liefert zu dem Thema auch nur bescheidene Tipps. Axt, LKW über die Dose fahren lassen, Polizei rufen. Spaßvögel. Die Polizei is so korrupt, dass die das, wenn überhaupt, nur gegen passendes Trinkgeld machen. Und von LKW-Reifen wird mein Tunfisch auch nicht schmackhafter.

Abgesehen davon gefällt mir die Billig-Kamera immer besser. Macht mangels Qualität ihrerseits und mangels Geduld meinerseits so schön verwackelte Bilder. In Kombination mit dem Babyblau im Bad und dem bröckelnden Putz im Hinterhof sieht das Geknipse so hübsch nach 50er-Jahre-Nostalgie aus. Hach…

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